BU-Stabilitätsrating 2026
19.03.2026

Michael Franke, Gründer und Geschäftsführer der Franke und Bornberg GmbH. Foto: © Marc Theis, Hannover
Hinter der Spitzengruppe folgt ein dichtes Mittelfeld. Zwischen 79,9 und 71,1 Prozent rangieren 23 Gesellschaften, darunter Cosmos, Bayern-Versicherung, Provinzial, Hannoversche, VRK, AXA, VOLKSWOHL BUND, Württembergische, Swiss Life sowie R+V. Hier entscheiden oft wenige Punkte in einem einzigen Teilbereich über mehrere Plätze. Für die DEVK Eisenbahn, Europa und InterRisk ist eine höhere Bewertung wegen des teils sehr kleinen BU-Bestands nicht möglich.
Die Notenstufen des map-report-Stabilitätsratings im Überblick: „mmm+" (hervorragend) ab 80 Prozent mit Mindestbestandsgröße, „mmm" (sehr gut) ab 75 Prozent, „mm" (gut) ab 65 Prozent, „m" (befriedigend) ab 55 Prozent, „m-" (ausreichend) unter 55 Prozent. Anbieter ohne verwertbare Datenbasis erhalten die Einstufung „o.W." (ohne Wertung).
Die Prämienanalyse mit Stand 2026 zeigt, wie wenig sich in der vergangenen Dekade trotz mehrfacher Absenkungen des Rechnungszinses an der Grunddynamik geändert hat. Im ersten BU-Stabilitätsrating 2015 betrug die durchschnittliche Bruttoprämie für den Bankkaufmann 107,99 Euro, für den Maschinenbauingenieur 103,34 Euro und für den Tischler 228,94 Euro. 2026 lagen die Werte bei 111,84 Euro (Bankkaufmann), 81,67 Euro (Ingenieur) und 217,75 Euro (Tischler). Bei den Nettoprämien ist das Bild noch deutlicher: Der Beitrag des Ingenieurs fiel von 69,97 auf 55,66 Euro, der des Tischlers von 162,86 auf 148,71 Euro.
Besonders auffällig ist die zunehmende Differenzierung der Berufsgruppen, vor allem bei vermeintlich risikoarmen Tätigkeiten. Diese Feinsteuerung stützt den Trend zur Unterkalkulation, ohne ihn in der Gesamtstatistik sichtbar zu machen.
„Ein Tarif, der heute im Vergleichsrechner glänzt, kann morgen im Bestand unter Druck geraten", sagt Michael Franke, Geschäftsführer der Franke und Bornberg GmbH und Herausgeber des map-report. „Wer bei der Prämienkalkulation zu weit geht, erkauft sich Neugeschäft auf Kosten der Stabilität – und das zahlen am Ende die Versicherten. Gut ist wichtiger als günstig – das gilt in der BU mehr als in jedem anderen Produkt."
In der Stabilität erreichen zehn Gesellschaften die volle Punktzahl: Allianz, Continentale, Cosmos, Debeka, Ergo Vorsorge, Generali, HDI, LV 1871, Nürnberger und Stuttgarter. In der Finanzstärke setzt die LV 1871 mit 93,8 Prozent den Maßstab, gefolgt von Universa (91,0 Prozent), Europa (86,0 Prozent) sowie Ergo Vorsorge und Hannoversche (jeweils 85,8 Prozent). Die Spannweite ist dennoch groß: Öffentliche Oldenburg kommt auf 35,5 Prozent, Credit Life auf 36,0 Prozent.
Das BU-Stabilitätsrating 2026 verdeutlicht einen Zusammenhang, der im täglichen Neugeschäft leicht in den Hintergrund gerät: Langfristige Stabilität wiegt schwerer als ein günstiger Einstiegspreis. Fehler in der Kalkulation oder der Risikoprüfung werden nicht im nächsten Quartal sichtbar, sondern häufig erst Jahre später. Überschussstabilität, Annahmekriterien und Schadenentwicklung sind keine nachrangigen Kennzahlen, sondern Frühindikatoren dafür, ob der heutige Preis auch in einigen Jahren noch zur vertraglichen und wirtschaftlichen Realität passt.
Für die nähere Zukunft ist kaum Entspannung in Sicht. Der Wettbewerb um gute Risiken dürfte anhalten, ebenso der Druck, Prämien niedrig zu halten und Tarifmerkmale vertrieblich weiter zu öffnen. Gesellschaften, die Preis, Annahmepolitik, Überschüsse und Finanzkraft sauber austarieren, stehen im Rating besser da. Da viele der identifizierten Schwächen in tariflichen Details und der Antragslogik liegen, sind Verbesserungen grundsätzlich kurzfristig möglich. Gesellschaften, die hier nachschärfen, können bereits im nächsten Ratingjahrgang spürbar Boden gutmachen. Der Wettbewerb um Stabilität hat damit längst begonnen – und die nächsten Vergleiche werden zeigen, welche Geschäftsmodelle ihm tatsächlich standhalten. (mho)

Canada Life erweitert Fonds-Kompetenz









