Das „neue“ Verkaufsargument „Nachhaltigkeit“

02.08.2021

Rolf Ehlhardt, Vermögensverwalter, I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung Mannheim GmbH / Foto: © I.C.M.

Ich bin ja schon ein paar Jährchen in der Beratung vermögender Klientel tätig. Schon immer befürwortete ich einen kräftigen Aktienanteil. Die Argumente waren: Aktien sind Substanzwerte, auf Marktstellung und zukunftsträchtige Branchen sowie Dividendenkontinuität achten, so dass sich die Börsenkurse dauerhalt positiv entwickeln können. Wer das Einzelrisiko scheute, dem wurden entsprechende Aktienfonds angeboten.

Zwischenzeitlich wurden die Branchen „Kaufhäuser“, „Banken“ oder „Versorger“ in „Technologie“ und „Internet“ getauscht. Aktuell waren es noch die Branchen „Biotech“, „Wasserstoff“ oder das Thema „Elektro“. Hier stets mit meinem Hinweis, diese „Mode“-Branchen prozentual zu begrenzen. Nun tauchen die Fragen der Kundschaft auf, sollten wir nicht noch einen Nachhaltigkeitsfonds dazukaufen. Denn das Schlagwort „Nachhaltigkeit“ wird in der Presse jetzt so oft behandelt wie das Thema „Corona“ oder „Klima“.

Ich habe mir drei derartige Fonds angeschaut und festgestellt: Die unter Top-Holdings aufgeführten Aktien haben viele Kunden entweder als Einzelwert oder in den Fonds: Amazon, Apple, Microsoft, SAP, Infineon oder Linde. Das liegt daran, dass man unsere langjährigen Auswahlkriterien schon immer mit „Nachhaltigkeit“ hätte bezeichnen können. Heute werden mit diesem Schlagwort neue Fondskäufe (und Erträge) initiiert. Für den Anleger bedeutet dies in etlichen Fällen, dass er zwar einen Fonds mehr im Depot hat, die größten Aktienbeteiligungen sich aber bereits im Depot befinden, so dass keine weitere Diversifikation stattfindet.

Noch ist die individuelle Aufteilung des privaten Vermögens in selbstbenutzte Immobilie (möglichst belastungsfrei), Liquidität, Qualitätsaktien und Edelmetalle die nachhaltigste Strategie, um das Vermögen zu steigern, zu sichern und gute und schlechte Zeiten zu überstehen. Der aktuell positiven Börsenzeit stehen auch die Probleme Corona, Nullzinsen, hohe Verschuldungen, Inflation oder die Gelddruckmentalität gegenüber, die bei rückläufigem Wirtschaftswachstum zu kräftigen Kursschwankungen führen können. Das Kursschwankungsrisiko besteht auch bei nachhaltigen Investments. Aber vor allem Qualitätsaktien haben die große Chance auch die nächste Krise zu überstehen. Während Anleihen von schwachen Unternehmen in der nächsten Krise zahlungsunfähig werden können (Totalausfall), wird niemand Siemens oder BASF niederreißen. In derartigen Szenarien waren Edelmetalle in der Vergangenheit sogar die Gewinner, die Kursverluste der Industrieaktien ausgleichen konnten.

Kolumne von Rolf Ehlhardt, Vermögensverwalter, I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung Mannheim GmbH

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