Deutschlands letzte große Hoffnung?
15.09.2026

Foto: © Teresa Kilian/DFB
Über weite Teile der modernen Fußballgeschichte stand Deutschland für Erfolg auf der größten Bühne. Vier Weltmeistertitel, acht WM-Finalteilnahmen und immer wieder große Erfolge bei wichtigen Turnieren. Doch in den vergangenen zehn Jahren hat sich dieses Bild deutlich verändert. Seit dem WM-Titel 2014 konnte Deutschland weder bei Europa- noch bei Weltmeisterschaften wirklich überzeugen. Die Antwort auf das Problem? Ein neuer Trainer. Jürgen Klopp soll dem deutschen Fußball neuen Schwung geben und die Mannschaft wieder nach vorne bringen.
Die Idee dahinter kennt man nicht nur aus dem Sport. Auch in der Wirtschaft werden oft neue Führungskräfte geholt, um Veränderungen anzustoßen. Die Experten von Hogan Assessments, dem weltweit führenden Anbieter für Persönlichkeitsdiagnostik und Führungsberatung, haben sich deshalb genauer angesehen, was ein solcher Wechsel für die deutsche Nationalmannschaft bedeuten kann.
Bedeutet Führungserfolg in einem Umfeld auch Erfolg in einem anderen?
Jürgen Klopp weiß, wie man eine Mannschaft wieder nach vorne bringt. Mit Borussia Dortmund durchbrach er die Dominanz des FC Bayern und wurde zweimal in Folge Deutscher Meister. In Liverpool gelang ihm Ähnliches. Er führte den Traditionsverein zurück an die Spitze und gewann mit dem Club sowohl die Champions League als auch die Premier League. Dabei veränderte er nicht nur die Mannschaft, sondern auch die Stimmung und das Selbstverständnis im Verein.
Für viele deutsche Fans fühlt sich Klopps Ernennung wie ein Neuanfang an. Viele hoffen, dass es mit ihm endlich wieder bergauf geht. Doch wird es wirklich so einfach? „Als Nationaltrainer arbeitet Klopp unter ganz anderen Bedingungen“, erklärt Allison Howell von Hogan Assessments. „Statt seine Spieler drei- oder viermal pro Woche im Training zu sehen, trifft er sie nur während der wenigen Länderspielphasen. Er kann keine neuen Spieler verpflichten und hat deutlich weniger Zeit, um eine Mannschaft aufzubauen. Und während man im Vereinsfußball eine Niederlage schon eine Woche später wieder gutmachen kann, gibt es bei einer WM oft keine zweite Chance.“
Die Last eines großen Erbes
Deutschlands Fußballgeschichte ist voll von großen Namen, legendären Spielern und unvergesslichen Erfolgen. Genau daran muss sich auch jeder neue Bundestrainer messen lassen. Es geht nicht nur Erfolge der Weltmeisterteams vergangener Jahre.
Nach den Enttäuschungen der vergangenen Jahre ist dieser Druck noch größer. „Frühere Erfolge können für eine Organisation Fluch und Segen zugleich sein“, erklärt Allison Howell, CEO von Hogan Assessments. „Sie sorgen für Stolz und Selbstvertrauen, schrauben aber auch die Erwartungen nach oben. Führungskräfte werden dann nicht mehr nur daran gemessen, ob sie erfolgreich sind, sondern auch daran, ob sie eine Organisation wieder zu alter Stärke führen können.“
Kann eine Führungskraft wirklich alles verändern?
Wenn es in einer Organisation über längere Zeit nicht läuft, wird oft nach einer Person gesucht, die schnell etwas verändern kann. Im Fußball ist die Hoffnung dabei meist dieselbe: Der richtige Trainer kommt und plötzlich läuft es wieder.
Doch so einfach ist es in der Realität selten. „Wenn es nicht gut läuft, suchen Menschen ganz automatisch nach starken Führungspersönlichkeiten, die ihnen wieder Sicherheit und eine klare Richtung geben“, meint Allison Howell. „Natürlich spielen Führungskräfte eine wichtige Rolle. Sie beeinflussen die Kultur, die Motivation und letztlich auch die Leistung. Langfristiger Erfolg hängt aber fast nie von einer einzelnen Person ab.“
Gute Führung bedeutet deshalb auch, ein Umfeld zu schaffen, in dem ein Team sein Bestes geben kann. Erfolgreiche Führungskräfte geben eine klare Richtung vor, schaffen Vertrauen und geben anderen die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen. Entscheidend ist nicht, möglichst viele Entscheidungen selbst zu treffen, sondern ein Team aufzubauen, das gemeinsam erfolgreich sein kann.
„Am Ende geht es nicht darum, ob Klopp mit der Nationalmannschaft die gleichen Erfolge feiern kann wie in Dortmund oder Liverpool“, so Allison Howell. „Die eigentliche Herausforderung ist eine andere: Schafft er es, eine ganze Nation hinter sich und der Mannschaft zu vereinen? Kann er mit dem enormen Druck und den hohen Erwartungen umgehen? Und kann er liefern, wenn es wirklich darauf ankommt? Gerade bei einer WM kann schließlich ein einziges Spiel darüber entscheiden, ob eine Ära als Erfolg oder Misserfolg in Erinnerung bleibt.“

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