Famoses Comeback
12.08.2024

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Im Land der aufgehenden Sonne stehen die Ampeln auf Grün. Der Nikkei 225 hat die 40.000er-Marke übersprungen. Keineswegs selbstverständlich, wenn man einige Jahre zurückblickt. Doch die Vorzeichen haben sich geändert – zum Positiven. Insofern macht es Sinn, sich mit dem ältesten Kaiserreich der Welt (wieder) zu beschäftigen.
Welcome back. Japan ist auf dem Finanzradar zurück. „Der Nikkei wagt sich aus der Deckung“, so titelte die Neue Zürcher Zeitung Mitte Juli 2024. Tatsächlich hat sich das Land der aufgehenden Sonne gemausert. So hat der MSCI Japan Index im bisherigen Jahresverlauf knapp 450 Punkte auf 4.100 Zähler zugelegt, und der Nikkei 225 hat die Marke von 40.000 (nachhaltig) übersprungen. Damit zählt der Leitindex 2024 mit einem satten Plus von mehr als 20 % zu den stärksten weltweit. „Das vergangene Jahrzehnt hat eine neue Ära für japanische Aktien eingeläutet“, sagt Shuntaro Takeuchi, Portfoliomanager beim Asienexperten Matthews Asia. „Konstante Verbesserungen in der Unternehmensführung, wachsende Profitabilität und steigende Anlagepreise haben Japan zu einem langfristigen Wachstumsmarkt gemacht.“
Ende der Negativzinspolitik
Das war nicht immer so. Japan hatte nahezu zwei Jahrzehnte lang unter Deflation gelitten. Die Bevölkerung rechnete nicht mit Preiserhöhungen. In den vergangenen Jahren gab es in Japans Wirtschaft wieder eine Inflation, wenngleich im globalen Kontext eher verhalten. Dennoch ist das Thema der Preisteuerung präsent und hat die japanische Notenbank (BoJ) im Frühjahr dazu veranlasst, das Ende der Negativzinspolitik einzuläuten. „Nach dem Ende der deflationären Phase findet nun bei japanischen Unternehmen und Privathaushalten ein Umdenken statt. Unternehmen würden wieder verstärkt investieren und seien zudem bereit, aus strategischen Gründen gewisse Risiken einzugehen, was sich unter anderem in einer steigenden Zahl von Unternehmenszusammenschlüssen und -übernahmen niederschlage“, bemerkt June-Yon Kim, Lead Portfolio Manager für japanische Aktien bei Lazard Asset Management. Auch wenn die Inflation aktuell etwas auf dem Rückzug ist, bleibt der positive Grundtenor bestehen. Der Wandel im Konsum-, Investitions- und Sparverhalten hat eingesetzt, was sich positiv auf die japanische Wirtschaft und damit den japanischen Aktienmarkt auswirkt. Ein zweischneidiges Schwert ist in diesem Zusammenhang die Schwäche der Währung. Der Yen ist so billig wie seit mehr als drei Jahrzehnten(!) nicht. Fast 50 % hat die japanische Währung allein in den vergangenen drei Jahren an Wert verloren. Zwar profitiert der Export von dieser Schwäche, allerdings treibt er andererseits auch die Importpreise in die Höhe.
Quelle: www.boerse.de, Abruf am 15.07.2024Bessere Corporate Governance
Die Unternehmensführung (Corporate Governance) war jahrelang einer der Schwachpunkte, wenn es um die Beurteilung Japans ging. Diese verbessert sich (wenn auch von einem niedrigen Ausgangsniveau), und der Trend macht zunehmend einen strukturellen Eindruck. Japanische Unternehmen haben Fortschritte bei der Verbesserung der Unternehmensführung und der Aktionärsrenditen (von einem niedrigen Ausgangsniveau aus) gemacht und werden dafür vom Markt belohnt. Bereits unter Premierminister Shinzo Abe seien Strukturreformen angestoßen worden, um die Kapitaleffizienz börsennotierter japanischer Unternehmen zu verbessern und den Aktionärsfokus zu stärken. Diese Reformen hätten zuletzt durch Initiativen der Tokioter Börse (TSE) weitere Impulse erhalten. „Mittlerweile tragen diese Reformbemühungen Früchte. Die Daten zeigen, dass japanische Unternehmen sich in den letzten Jahren bei der Unternehmensführung tatsächlich verbessert haben und sich dies bereits positiv in der Unternehmensleistung bemerkbar macht“, so Lazard-Experte Kim.
Problem alternde Gesellschaft
Die japanische Bevölkerung schrumpft weiter. Daher hat der japanische Ministerpräsident Fumio Kishida die Bewältigung des Geburtenrückgangs zu einer seiner obersten Prioritäten erklärt und versprochen, bis 2026 circa 3,5 Bio. Yen (22,5 Mrd. Euro) für ein neues Paket zur Kinderbetreuung bereitzustellen. Durch die geringe Migration wird dieses Problem zusätzlich verschärft. Zumindest scheint die Problemlösung oberste Priorität bei den Verantwortlichen in Tokio zu haben. Abgeschlagen, uninteressant, ohne Perspektiven – das war einmal. Japan ist auf die Agenda der Investoren zurückgekehrt. Die Börse klettert weiter nach oben. Als Beimischung in einem breiten Portfolio sind japanische Werte durchaus interessant. (ah)
Fakten über Japan
- Japan hat nach den Vereinigten Staaten den zweitgrößten Musikmarkt der Welt.
- Das legendäre japanische Eisenbahnsystem ist weltweit eines der pünktlichsten.
- Japan hat die ältesten Firmen und Unternehmen der Welt. Über 30.000 japanische Firmen sind älter als 100 Jahre.
- In Japan leben mehr als 50.000 Menschen, die über 100 Jahre alt sind.

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