Gebäudemodernisierungsgesetz: „Bezahlbarkeit und Berechenbarkeit werden wieder Normalität“
11.03.2026

Stephan Gerlach / Foto: © Gerlach Immobilien Gruppe
Interview mit Stephan Gerlach zum neuen Gebäudemodernisierungsgesetz. Herr Gerlach, das Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) wird das alte Heizungsgesetz ersetzen. Viel Frust kam in der Bewertung durch Medien und Politik rüber. Wie schauen Sie auf diese Neuerung durch die Regierungskoalition?
Grundsätzlich begrüße ich die Entscheidung aus Berlin. Zur Wahrheit gehört doch: In der alten Form hätten Millionen Immobilienbesitzer wirtschaftlich unter den Folgen des Heizungsgesetzes gelitten.
Zumal neue Heizungen nicht über Nacht gekommen wären. Finanzierungen dafür werden deutlich komplexer und es fehlt im ganzen Land an fähigen Handwerksbetrieben. Die Frage der Machbarkeit begleitete das alte Gesetz daher ständig. Nur weil Soll-Forderungen in Gesetzesbüchern stehen, muss es nicht gleich in der Realität so passieren.
Daher war das gekippte Gesetz wirtschaftlich eine enorme Last. Und ökologisch ohne den vollständigen, erhofften Mehrwert. Stattdessen hätten wir mit weniger Investitionen, steigende Mieten und tiefgreifender Unsicherheit leben müssen. Das ist das Letzte, was wir derzeit in Deutschland brauchen.
Was löst das bei Eigentümern Ihrer Erfahrung nach aus?
Da gibt es nicht das eine dominierende Stimmungsbild, welches alles andere überstrahlt. Trotzdem konnten wir seit der Aktion durch den ehemaligen Umweltminister Habeck die enorme Verunsicherung im Land spüren.
"Welche Heizung kann ich jetzt noch verbauen?", "Wie teuer wird die nächste Sanierung wirklich"? All diese Fragen hielten Eigentümer seit Inkrafttreten des Heizungsgesetzes davon ab, etwas zu machen. Dass dies nun gekippt wird, bringt ein bisschen mehr Sicherheit und Flexibilität in den Markt. Nun steigt wahrscheinlich auch die Bereitschaft, einzusteigen und kräftige Sanierungshebel zu bewegen. Der Wegfall der ambitionierten 65%-Regel, keine unkontrollierbaren Kostenlawinen und regulatorische Zwangsmaßnahmen: All das ebnete neue Wege und vergrößert den Spielraum für Eigenheimbesitzer. Für eine bessere Dämmung, neue Fenster, moderne Heizungen und Investments in PV.
Und bei Kapitalanlegern?
Nunja, in einen verunsicherten Markt wird im long-term weniger investiert. Der große Verlierer einer Beibehaltung des alten Gesetzes wäre daher Deutschland gewesen.
Anleger, die verbindlicher und präziser investieren können, werden sich das zu Herzen nehmen und mit großer Wahrscheinlichkeit mehr Geld in Deutschland stecken. Davon profitieren wir schlussendlich alle. Sowohl Mieter und Käufer als auch Verkäufer und Vermieter.
Merken Sie Einflüsse auf Ihr operatives Geschäft durch das neue Gesetz?
Absolut. Selbst, wenn wir noch über einen eher kurzen Zeitraum sprechen. Doch bereits binnen einiger Tage bemerken wir ein Aufatmen im Land an vielen Ecken und Enden. Bezahlbarkeit und Berechenbarkeit werden wieder Normalität.
Trotzdem ist es auch bitter für Unternehmen, die jahrelang auf die flächendeckende grüne Umrüstung in Deutschland hingearbeitet haben. Geschäftsmodelle und Produkte müssen umgekrempelt werden. Das wird nicht allen gefallen. Ich glaube aber daran, dass innovative Unternehmen sich kurz- bis mittelfristig anpassen können und werden.
Macht es das Erreichen der gesteckten Klimaziele leichter oder schwerer?
Ich bin ein großer Befürworter von Technologieoffenheit und wirksamen Fördermaßnahmen, weil sie im Zusammenspiel eher zum Ziel führen, als wenn sich der Staat mit Verboten einmischt.
Planbarkeit, Vertrauen und Investitionsbereitschaft ist das, was wir brauchen und was uns auf lange Sicht eher zu unseren Klimazielen führen wird. Ein sanierter Bestand ist das Ziel. Und dieses erreichen wir nicht mit einem Klotz am Bein, sondern mit einem politischen Fahrplan, der eine realistische Orientierung gibt.
Über Stephan Gerlach:
Stephan Gerlach (42 Jahre) ist Geschäftsführer der 2018 gegründeten Gerlach Immobilien Gruppe und Spiegel-Bestseller-Autor. Das Unternehmen spezialisiert sich auf Ankauf, Sanierung und Verkauf von Mehrfamilienhäusern. 2024 machte das Unternehmen einen Umsatz von 45 Millionen Euro. Seit 2018 begleitete Gerlach bislang den Verkauf von über 1.000 Immobilien. Gerlach stammt ursprünglich aus dem Hamburger Norden und ist stolzer Familienvater von zwei Kindern.

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