GreenTech wird auch ein Trend an der Börse sein 

05.04.2023

Dr. Markus C. Zschaber, Gründer, V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft / Foto: © V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft, Dr. Markus C. Zschaber mbH

Die Zukunft wird herausfordernd, so viel scheint klar. Vor allem der Klimawandel und der sich immer stärker beschleunigende technologische Fortschritt machen Investitionen nötig. Nachdem die USA mit dem Inflation Reduction Act rund 370 Milliarden US-Dollar über die Dauer von zehn Jahren bereitstellen werden, um vor allem grüne Innovationen zu fördern, ziehen andere Wirtschaftsräume nach.

Der Subventionswettlauf nimmt also zunehmend Fahrt auf. So will die EU-Kommission für ihren „Green Deal“ ebenfalls mehrere hundert Milliarden Euro in die Hand nehmen. Auch China sind Investitionen in grüne Technologien bis zu 280 Mrd. Dollar wert. Insbesondere im Zusammenhang mit der europäischen Antwort auf US-Präsident Joe Bidens Ausgabenprogramm gab es Kritik: Von einem beginnenden Ausgabenwettlauf war die Rede. Tatsächlich kam während der Beratungen auf EU-Ebene ausdrücklich zur Sprache, mit den USA mithalten zu müssen, um gleiche Wettbewerbsbedingungen weltweit zu sichern.

Irritationen um Subventionspakete legt sich

Glücklicherweise sind Wettbewerbsbedingungen nicht nur eine monetäre Kategorie: Die EU will insbesondere Genehmigungsverfahren für den Bau von klimafreundlichen Produktionsanlagen oder CO2-Speichern vereinfachen. Wie viel Geld am Ende wirklich innerhalb der EU für Zukunftstechnologie umverteilt wird, will die EU-Kommission im Sommer im Rahmen eines Vorschlags für einen sogenannten Souveränitätsfonds machen. Trotzdem ist schon heute klar, dass insbesondere Wachstumsunternehmen von der neuen Subventionswettlauf profitieren werden. In den vergangenen Monaten sorgten insbesondere die Subventionspläne der USA dafür, dass einige sicher geglaubte Projekte in Deutschland plötzlich wieder in der Schwebe waren. Ein Beispiel ist etwa die geplante Batteriefabrik von Tesla in Brandenburg. Hier priorisierte das Management rund um Tesla-Chef und Tausendsassa Elon Musk zwischenzeitig einen Standort im US-Bundesstaat Texas. Der ganz offen seitens des E-Autobauers kommunizierte Grund: die höheren Förderungen in den USA.

Umfassende Subventionen auch in Europa

Zwar schob Tesla zugleich nach, dass im Idealfall beide Fabriken gebaut und mit Nachdruck hochgefahren würden, doch dürften die zwischenzeitigen Irritationen die europäische Antwort auf den Inflation Reduction Act begünstigt haben. Nun scheint klar, dass es für Industrieunternehmen auch in Europa umfassende Förderungen geben wird. Da vor allem Autohersteller ohnehin auf ein dezentrales Zulieferer-Netzwerk setzen, dürften Batteriefabriken ohnehin auf allen relevanten Absatzmärkten gebaut werden. Für uns als Investoren und auch für Sie als Anleger ist dies im aktuellen Marktumfeld eine beruhigende Information.

Die Jahresanfangs-Rally findet eine kleine Bodenbildung, nachdem bereits wieder einiges an Performance  wieder abgegeben wurde. Das Thema rund um die Inflation lässt sich doch nicht so leicht wie von den Notenbanken selbst angenommen, vom Tisch nehmen und die Auswirkungen seitens des Zinsänderungsrisikos, gerade im Bankensektor, sind in den USA deutlich zu spüren. Es gilt in der Tat jetzt weiterhin abzuwarten, wie robust sich die US Konjunktur und ebenfalls die Europäische sich darstellen und  welche Zinserhöhungen dann weiterhin geplant sind, wobei es grundverschiedene Annahmen der beiden Notenbanken und ebenfalls der Wirtschaftsräume sind. Hat man es in den USA mit einem starken Arbeitsmarkt und einer soliden Wirtschaft zu tun, gilt es in Europa vorsichtig zu sein, dass erhöhte Zinsen nicht zu einem erneuten Schuldendilemma in der südlichen Länderperipherie führen und die Eurokrise 2.0 entsteht, wobei die EZB seit Jahren die direkte Staatenfinanzierung betreibt – übrigens ebenso inflationstreibend!

Derartige, jetzige Gegenbewegungen sind am Aktienmarkt übrigens normal. Nachdem 2022 ein schwieriges Jahr für Wachstumswerte war, bestehen inzwischen gute Gründe für vorsichtigen Optimismus: Neben der Dringlichkeit für nachhaltige Investitionen und den weltweit angekündigten Subventionen dürfte auch die Aussicht auf die Leitzinskurve das Sentiment rund um Wachstumswerte verbessern.

Gut informierte Anleger können Kursschwächen nutzen

An der Börse – wenngleich wir diese Entwicklung noch nicht als gefestigt betrachten – könnte schon bald mit der Annahme, dass 2024 die Zinsen in den USA langsam wieder sinken werden, eine gute Bewertungsebene gefunden worden sein, mit Sicht auf die kommenden 3 bis 5 Jahre, so dass auch wir schon einzelne Titel und Sektoren neu aufgebaut und investiert haben. Die jüngsten Konjunkturdaten aus den USA deuten ebenfalls darauf hin, so kurios es jetzt auch klingen mag, dass die Wirtschaft und der Arbeitsmarkt sich etwas abkühlen und damit die Zinserhöhungen in niedrigerem Maße umgesetzt werden würden, um a) die Inflation zu senken und b) eine sogenannte weiche Wirtschaftslandung herbeizuführen.

Zurück zum Thema GreenTech, exzellente Produkte, eine solide Finanzierung und vorzugsweise starke Partner sind Kriterien, die mittelfristig Erfolg versprechen – das gilt natürlich auch für mögliche Investments in diesem Bereich. Kommt dann noch eine internationale Ausrichtung dazu, um sich im weltweiten Subventionswettlauf auf verschiedenen Märkten die Rosinen picken zu können, bieten sich eben ein Investments an. Überstürzen muss man nichts – die kommenden Wochen und Monate dürften gut informierten Investoren die eine oder andere Gelegenheit zum Einstieg bei spannenden Wachstumswerten mit Zukunft versprechen. Es gilt daher jetzt, gründlich zu analysieren, um sich dann bietende Chancen zu nutzen.

Gastbeitrag von Dr. Markus C. Zschaber,
Gründer der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft in Köln