KI-Vorreiter mit deutlichem Umsatzvorsprung

05.05.2026

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Schaden- und Unfallversicherer sehen sich einer wachsenden Wettbewerbslücke gegenüber: 10 Prozent der Branche setzen KI erfolgreich ein, während andere darum kämpfen, nennenswerte Vorteile zu erzielen. Der nun in seiner 19. Auflage erschienene „World Property & Casualty Insurance Report 2026“ des Capgemini Research Institute erklärt die KI-Kluft teils dadurch, dass 42 Prozent der Versicherer keine KI-Kennzahlen erfassen. Ohne zu messen und validieren was funktioniert, verbleiben 60 Prozent der Versicherer in der Erkundungs- oder Proof-of-Concept-Phase.

„Die Versicherungsbranche steht vor ihrem Moment der Wahrheit: Die Vorreiter liefern den Beweis dafür, dass sich KI zu einem echten Wettbewerbsvorteil entwickelt, der sich direkt auf das Geschäftsergebnis auswirkt. Voraussetzung dafür ist, dass Versicherer sie von Anfang an in ihre Geschäftsstrategie einbetten“, so Dr. Joachim Rawolle, Leiter Versicherungen bei Capgemini in Deutschland. „Während viele Versicherer noch mit den üblichen technischen und kulturellen Hürden kämpfen, sind die Vorteile inzwischen glasklar. Durch die Stärkung der Datengrundlagen, klare Zuständigkeiten und Investitionen in Mitarbeiter und Governance können Versicherer über Pilotprojekte hinausgehen. Der Fokus liegt nun auf organisatorischer Disziplin, um die Wirkung von KI im gesamten Unternehmen nachhaltig sicherzustellen.“

Die Studie zeigt, dass derzeit nur eine kleine Gruppe von Versicherern KI nicht nur als Werkzeugset betrachtet, sondern als zentrale operative Kompetenz. Sie stellen eine gleichzeitige Abstimmung zwischen Strategie und Personal, technologischer Grundlage und organisatorischer Umsetzung sicher. Diese Versicherer werden als „intelligence trailblazers“ bezeichnet und erzielen über einen Zeitraum von drei Jahren ein bis zu 21 Prozent höheres Umsatzwachstum sowie einen Anstieg des Aktienkurses um etwa 51 Prozent.

Der Studie zufolge unterscheiden sich diese Vorreiter in mehrfacher Hinsicht von Mainstream-Versicherern: Sie investieren fast viermal häufiger in Change Management, das über grundlegende Schulungen hinausgeht; sie verfügen fast dreimal häufiger über eine Infrastruktur für erklärbare KI, die unternehmensweit Vertrauen schafft; und sie sorgen fast doppelt so häufig dafür, dass KI direkt in Stellenbeschreibungen verankert wird, wodurch Verantwortlichkeit geschaffen wird.

Vorreiter stehen in scharfem Kontrast zu einer Branche, die mit einem „Architektur-Mismatch“ zu kämpfen hat – einem Muster, bei dem der technologische Fortschritt die Fähigkeit der Unternehmen übertrifft, diese effektiv zu integrieren. Im Durchschnitt investieren Schaden- und Unfallversicherer 72 Prozent ihrer KI-Investitionen in Technologie und Infrastruktur, während nur 28 Prozent für Change Management, einschließlich grundlegender Schulungen für Mitarbeiter und Führungskräfte, aufgewendet werden. Infolgedessen haben viele KI-Initiativen Schwierigkeiten, ihr volles Potenzial auszuschöpfen, was die unternehmensweiten Auswirkungen einschränkt. (mho)