Neuwahlen in Japan - entscheidender Moment für die Märkte
18.02.2026

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Die vorgezogene Parlamentswahl in Japan stellt einen entscheidenden Moment für die Kapitalmärkte dar, da Sanae Takaichi ein klares Mandat für ihre „Abenomics 2.0“-Agenda anstrebt. Umfragen deuten auf einen möglichen Erdrutschsieg der LDP-Ishin-Koalition hin, der das politische Kapital liefern könnte, das für eine aggressive fiskalische Expansion und erhöhte Verteidigungsausgaben erforderlich ist.
Für die japanischen Aktienmärkte könnte ein klarer Sieg als reflationärer Katalysator wirken. Investoren erwarten politische Kontinuität und umfangreiche Konjunkturmaßnahmen. Exportunternehmen könnten von einem schwächeren Yen profitieren, während der Verteidigungs- und Industriesektor unter Takaichis sicherheitsorientierter Führung voraussichtlich gut abschneiden wird.
Demgegenüber stehen jedoch erhebliche Turbulenzen an den Anleihemärkten. Ein Erdrutschsieg würde effektiv eine deutliche Erhöhung der Staatsverschuldung autorisieren, um die vorgeschlagenen Steuersenkungen und Verteidigungsausgaben zu finanzieren, was die Renditen langfristiger japanischer Staatsanleihen bereits auf ein seit Jahrzehnten nicht mehr gesehenes Niveau getrieben hat. Die internationalen Auswirkungen sind besonders gravierend: Mit steigenden Anleiherenditen entsteht ein „Repatriierungs“-Anreiz für den billionenschweren Pool japanischen Kapitals, der derzeit in ausländische Schuldtitel investiert ist. Ein klarer Sieg Takaichis könnte den Ausverkauf von US-Staatsanleihen und anderen Staatsanleihen beschleunigen, da japanische institutionelle Investoren Kapital zurückholen, um von höheren inländischen Renditen zu profitieren.
Inmitten all dieser Entwicklungen befindet sich die Bank of Japan (BoJ) in einer schwierigen Lage: Die Inflation liegt seit 2022 über dem Ziel, und der schwache Yen dürfte die Importpreise weiterhin hoch halten. Dennoch kann sich die BoJ keine allzu restriktive Kommunikation leisten, da dies die Renditen weiter in die Höhe treiben könnte. Die Betonung von Gouverneur Ueda, dass die BoJ und die Regierung „jeweils ihre Rolle spielen“ müssen, um der Marktvolatilität zu begegnen, deutet auf den Versuch hin, einen Teil der Verantwortung auf die Regierung zu verlagern. Letztendlich aber dürfte die Last, die Märkte zu beruhigen, weiterhin auf der BoJ liegen.

Marktkommentar von Michaela Huber, Cross-Asset Strategist bei Vontobe

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