Stimmung in der Versicherungswirtschaft kühlt ab
02.03.2026

GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Foto: GDV
Die Stimmung in der deutschen Versicherungswirtschaft hat sich zum Jahresende 2025 eingetrübt. Nach den aktuellen Ergebnissen des ifo-Konjunkturtests für das vierte Quartal geht das Geschäftsklima spürbar zurück. Während die vom ifo-Institut befragten Versicherer die aktuelle Geschäftslage weiterhin solide einschätzen, dämpfen vorsichtigere Erwartungen für das Jahr 2026 die Gesamtstimmung.
Der Geschäftsklimaindex für die Versicherungswirtschaft insgesamt sinkt im letzten Jahresviertel 2025 um 9,8 auf 12,1 Punkte und liegt damit knapp unter seinem langfristigen Mittelwert. Die Beurteilung der Geschäftslage fällt mit 28,0 Punkten weiterhin deutlich positiv aus, verliert jedoch gegenüber dem Vorquartal an Dynamik (-10,8 Punkte gegenüber dem Vorquartal). Die Geschäftserwartungen geben um 8,9 Punkte nach und rutschen mit -2,7 Punkten leicht ins Minus.
„Die Versicherer stehen wirtschaftlich auf einem guten Fundament, aber wir sind ein Spiegelbild der gesamten Volkswirtschaft“, sagt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). „Wenn weniger gebaut wird, wenn die Arbeitslosigkeit steigt, dann gibt es weniger zu versichern. Für 2026 rechnen viele Unternehmen daher mit anspruchsvolleren Marktbedingungen.“
In der Lebensversicherung trübt sich das Geschäftsklima leicht auf 16,6 Punkte (-5,6) ein. Die aktuelle Geschäftslage wird zwar mit 22,6 Punkten weiterhin positiv beurteilt, sie fällt aber mit einem Rückgang um 16,6 Punkte spürbar schwächer aus als im Vorquartal. Die Erwartungen verbessern sich dagegen leicht auf 10,9 Punkte, bleiben jedoch insgesamt verhalten.
Auffällig ist die Verschiebung im Neugeschäft: Für Policen gegen laufende Beiträge rechnen die Unternehmen mit Wachstum, nicht zuletzt vor dem Hintergrund höherer langfristiger Zinsen zum Jahresende 2025. „Beim Einmalbeitrag hingegen sehen wir nach dem kräftigen Plus im vergangenen Jahr etwas verhaltenere Erwartungen für das laufende Jahr“, so Asmussen.
In der Schaden- und Unfallversicherung zeigt sich ein deutlicher Stimmungsdämpfer. Das Geschäftsklima fällt um 18,8 auf 8,8 Punkte. Treiber sind vor allem die stark gesunkenen Erwartungen, die mit -20,8 Punkten (-32,2) klar im negativen Bereich liegen.
Die aktuelle Geschäftslage bleibt mit 43,3 Punkten auf sehr hohem Niveau und geht nur leicht zurück. Hintergrund ist die hohe Profitabilität im Jahr 2025, begünstigt durch ein schadenarmes Naturkatastrophenjahr. Dadurch haben sich die Kapazitäten im Neugeschäft erhöht.
„Die aktuelle Geschäftslage in der Schaden- und Unfallversicherung wird weiterhin als sehr gut eingeschätzt. Dazu hat auch beigetragen, dass es weniger Naturkatastrophenschäden gab als ursprünglich erwartet“, sagt Asmussen. „Gleichzeitig ist den Unternehmen bewusst, dass sich das Schadenaufkommen wieder normalisieren und damit ansteigen wird. Entsprechend sind die Erwartungen für die kommenden Monate deutlich zurückgegangen.“ (mho)

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