Vom Sicherheitsnetz zum Gestaltungsinstrument

17.04.2026

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Seit ihrer Einführung im Jahr 2011 hat die Zinszusatzreserve (ZZR) eine zentrale Rolle dabei gespielt, die deutsche Lebensversicherung durch die herausfordernde Niedrigzinsphase zu begleiten. Die hohen Garantien klassischer Lebensversicherungsverträge, die die Bestände der Lebensversicherer bis heute prägen, lagen in dieser Zeit spürbar über dem Zinsniveau, das in der Neuanlage am Kapitalmarkt zu erzielen war. Ein Gastbeitrag von Stefanie Gerards, Senior-Analystin bei der Assekurata GmbH.

Auf der Passivseite waren die Lebensversicherer somit mit langfristigen Garantieverpflichtungen konfrontiert, während sich auf der Aktivseite nur eingeschränkte Möglichkeiten für Anlagen mit vergleichbarer Rendite boten. Als regulatorische Maßnahme wurde die ZZR insoweit geschaffen, um die langfristige Erfüllbarkeit der Garantien klassischer Lebensversicherungsverträge auch in einem Umfeld dauerhaft niedriger Zinsen sicherzustellen. Zugleich stärkte die ZZR als zusätzlicher Sicherheitspuffer die Kapitalbasis der Unternehmen und trug zur Stabilität des Systems bei. Innerhalb rund einer Dekade summierte sich die ZZR auf bis zu 96 Milliarden Euro – ein erheblicher Betrag, dessen Finanzierung die laufenden Ergebnisse vieler Unternehmen belastete und meist nur durch das Heben von stillen Reserven möglich war.

Mit dem abrupten Anstieg der Kapitalmarktzinsen hat sich seit 2022 das Umfeld für Lebensversicherer grundlegend verändert. Höhere Zinsen erleichtern die Finanzierung langfristiger Garantieverpflichtungen und ermöglichen wieder auskömmliche Renditen bei der Neu- und Wiederanlage. Gleichzeitig hat sich die Dynamik der ZZR verändert. Der zuvor kontinuierlich fallende Referenzzins, der für die ZZR-Berechnung herangezogen wird, liegt seither stabil bei 1,57 % und dürfte künftig wieder steigen. Bereits seit 2022 wird die ZZR schrittweise abgebaut, da hochverzinste Altverträge auslaufen. Dieser Abbau passiert nicht auf einen Schlag, sondern verteilt sich über einen längeren Zeitraum, was sowohl auf die Mechanik der ZZR-Berechnung (die Trägheit des Referenzzinses) als auch die Langfristigkeit der Verträge zurückzuführen ist. Unsere aktuelle Marktstudie zu Überschussbeteiligungen und Garantien zeigt, dass die Branchen-ZZR Ende 2025 wieder unter die Grenze von 80 Milliarden Euro gefallen ist und damit bereits ein deutliches Stück unter ihrem Höchststand rangiert.

Um die zukünftige Entwicklung der ZZR besser zu veranschaulichen, haben wir in folgender Abbildung den Verlauf der ZZR unter der Annahme eines stabilen Zinsniveaus in die Zukunft modelliert. Es zeigt sich, dass die ZZR auch 2026 weiter moderat zurückgehen dürfte, sich der Abbauprozess ab 2027 mit steigendem Referenzzins jedoch voraussichtlich beschleunigen wird.

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