Allianz-Studie: Ablenkung am Steuer verdreifacht Unfallrisiko

22.10.2026

Foto: © Prostock-studio - stock.adobe.com

Ablenkung durch Smartphones, Touchscreens und andere digitale Anwendungen gehört zu den größten Gefahren im Straßenverkehr. Eine neue Studie des Allianz Zentrums für Technik (AZT) zeigt, dass Ablenkung das Kollisionsrisiko in kritischen Verkehrssituationen nahezu verdreifachen kann. In den untersuchten Szenarien war das Risiko sogar höher als bei einem simulierten Alkoholeinfluss von 0,8 Promille.

Die Ergebnisse wurden am 21. Oktober beim 14. Allianz Motor Day vorgestellt. Gemeinsam mit dem Unternehmen cogniBIT untersuchte das Allianz Zentrum für Technik mithilfe computergestützter Simulationen, wie sich Ablenkung auf die Reaktionsfähigkeit von Autofahrern auswirkt. Dafür wurden verschiedene kritische Verkehrssituationen jeweils tausendfach unter unterschiedlichen Bedingungen simuliert.

Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede: Bei einer plötzlichen Gefahrenbremsung des vorausfahrenden Fahrzeugs auf der Autobahn stieg die Kollisionsquote durch Ablenkung von 18,2 auf 54,3 Prozent. Bei einem unvermittelt auf die Straße laufenden Kind erhöhte sie sich von 3,9 auf 11,2 Prozent. In allen vier untersuchten Szenarien lag das Kollisionsrisiko bei abgelenkten Fahrern über dem bei einem simulierten Alkoholeinfluss von 0,8 Promille. Nach Einschätzung der Allianz spielt Ablenkung bei mindestens 30 Prozent aller Verkehrsunfälle eine Rolle – entweder als unmittelbare Ursache oder als mitverursachender Faktor. In offiziellen Unfallstatistiken werde das Problem bislang unterschätzt, da sich Ablenkung nach einem Unfall häufig nur schwer nachweisen lasse.

„Ablenkung lässt sich nach einem Unfall deutlich schwieriger nachweisen als etwa Alkoholeinfluss. Ein kurzer Blick aufs Smartphone oder auf das Fahrzeugdisplay hinterlässt häufig keine eindeutigen Spuren“, erklärt Christian Sahr, Leiter des Allianz Zentrums für Technik. Mit der zunehmenden Digitalisierung von Fahrzeugen gewinnt das Thema weiter an Bedeutung. Die Allianz sieht deshalb neben den Autofahrern auch Fahrzeughersteller und Regulierungsbehörden in der Verantwortung, Ablenkungsrisiken im Straßenverkehr zu reduzieren. (mho)

Andere ThemenAllianz