Der Wachstumstrend ist ungebrochen
02.03.2026

(v.l.n.r.) Christian Nuschele, Dr. Sebastian Grabmaier, Dr. Florian Sallmann, Günther Goldmann, Reimund Moses und Marc Wassum / Foto: © fw
finanzwelt: Was ist Ihr USP im Bereich Fondspolicen? Wie hat sich das Geschäftsjahr 2025 bei Ihnen in diesem Segment entwickelt?
Dr. Grabmaier: Als Plattform bietet Jung DMS & Cie. Maklern Zugriff auf nahezu alle Versicherungsprodukte am Markt – inklusive Abwicklung, Bestandspflege und Datenversorgung. Das verschafft Vermittlern eine enorme Flexibilität und Effizienz. Nach einem außergewöhnlich starken Jahr 2024 mit über 30 % Wachstum im Lebensversicherungsgeschäft erwarten wir auch 2025 ein solides zweistelliges Wachstum. Bei Fondspolicen liegen wir aktuell zwischen 12 und 15 % im Plus.
Moses: Das Kernprodukt von AXA in diesem Bereich, JustInvest, vereint ein breites Anlagespektrum, günstige Kosten und moderne Features. Damit haben wir unsere Sichtbarkeit in der Altersvorsorge deutlich erhöht. In meinem Vertriebsbereich verzeichnen wir 2025 ein Wachstum von knapp 60 % bei Fondspolicen. Neben der Produktqualität spielt auch die politische Diskussion um die Rentenreform eine Rolle, da sie viele Kunden intensiv mit dem Thema Altersvorsorge konfrontiert.
Dr. Sallmann: Wir setzen auf zwei Produktschienen: myIndex next für Honorarberater mit maximaler Kostentransparenz und unsere Fondsrente IRis für Makler. Beide sind konsequent kostenoptimiert und sehr flexibel. myIndex next wurde gerade stark überarbeitet. Besonders im Einmalbeitragsgeschäft wachsen wir zweistellig. Bei laufenden Beiträgen sehen wir noch Luft nach oben, spüren aber eine deutlich steigende Nachfrage.
Nuschele: Standard Life ist ein Versicherer mit fast ausschließlich fondsgebundenem Geschäft. Über 80 % unseres Neugeschäfts entfallen auf Einmalbeiträge. Für 2025 rechnen wir mit einem Neugeschäftswachstum von ca. 25 %. Unser USP liegt in einem hochqualifizierten Vertrieb, institutionellen Anlagekonzepten, eigenen Portfoliolösungen sowie einer hohen Kosten- und Vergütungstransparenz.
Goldmann: Die WWK bietet Policen mit und ohne Garantien über alle drei Vorsorgeschichten hinweg. Unser zentraler Alleinstellungsfaktor ist dabei der vollständig garantierte Rentenfaktor. Er wird durch eine äußerst flexible fondsgebundene Rentenphase mit vielfältigen Gestaltungsoptionen ergänzt. Unsere Fondspalette umfasst bei Tarifen ohne Garantie gut 100 Investmentfonds, davon über 30 ETFs, aus unterschiedlichen Anlagekategorien. Die breite Fondspalette bietet dem Kunden eine qualitätsgeprüfte Auswahl passgenauer Fondsanlage, je nach individueller Laufzeit und Risikoneigung. Auch bzgl. des Investmentstils ermöglichen wir unseren Kunden die freie Entscheidung, je nachdem, ob ein passiver oder aktiver Ansatz bevorzugt wird.
Wassum: Der Markt ist heute sehr ausgereift, die Anbieter sind sehr ähnlich aufgestellt. Der Fokus der Alte Leipziger liegt besonders auf der Qualität der Fondsauswahl, laufender Optimierung sowie leistungsfähigen Beratungstools. 2025 konnten wir das starke Vorjahr nochmals übertreffen und haben im fondsgebundenen Bereich um rund 50 % zugelegt.
finanzwelt: Die anhaltende Inflation hat inzwischen auch Auswirkungen auf die Altersvorsorge. Viele würden gerne mehr fürs Alter zurücklegen, können es sich finanziell aber nicht leisten. Dieses Thema wurde im AXA Vorsorge Report genauer untersucht. Herr Moses, was sind die zentralen Ergebnisse und was bedeutet das für die Versicherer und den Vertrieb?
Moses: Die zentrale Botschaft des AXA Vorsorge Reports lautet ganz klar: Je früher, desto besser. Zeit ist der entscheidende Faktor in der privaten Altersvorsorge. Viele Produkte am Markt sind qualitativ gut, entscheidend sind jedoch Kosten, steuerliche Effizienz und – insbesondere in der betrieblichen Altersversorgung – Einsparungen bei Sozialversicherungsbeiträgen. Genau hier investieren wir gezielt in Produktlösungen. Mit unserer fondsgebundenen Rentenversicherung JustInvest sind wir sowohl in der ersten als auch in der dritten Schicht sehr erfolgreich unterwegs, weitere Produktinnovationen folgen. Gleichzeitig bleibt Aufklärung essenziell. Viele Menschen unterschätzen ihre Versorgungslücke. Wer sich ausschließlich auf die gesetzliche Rente verlässt – das gilt ausdrücklich auch für Gutverdiener – wird im Alter nicht ausreichend abgesichert sein.
finanzwelt: Die Generation 50plus ist die größte Bevölkerungsgruppe und hat starken Beratungsbedarf bei der Ruhestandsplanung, wie aus einer aktuellen Studie von Standard Life hervorgeht. Herr Nuschele, was sind die zentralen Schlüsse daraus für Makler im Hinblick auf die Zielgruppe 50plus?
Nuschele: Die Studie zeigt ein sehr widersprüchliches Bild: Rund die Hälfte der Befragten blickt optimistisch auf den Ruhestand, gleichzeitig bewertet etwa ein Drittel die eigene finanzielle Absicherung im Alter mit mangelhaft oder ungenügend. Besonders alarmierend ist, dass zwei Drittel der Zielgruppe angeben, keinen konkreten Plan für den Ruhestand zu haben. Der Beratungsbedarf ist entsprechend enorm. Hinzu kommt, dass wir als Branche häufig Schwierigkeiten haben, freiwerdendes Kapital, etwa aus auslaufenden Lebensversicherungen, sinnvoll neu anzulegen und gleichzeitig biometrisch abzusichern. Themen wie lebenslange Rente, Inflationsschutz, Kapitalanlage und Flexibilität müssen stärker zusammengedacht werden. Mein klarer Appell an die Makler lautet daher: Sprechen Sie die Generation 50plus aktiv an. Diese Zielgruppe verfügt über Vermögen, hat großen Informationsbedarf und sucht dringend Orientierung für die kommenden Jahre.
finanzwelt: Die Riester-Rente galt lange als Auslaufmodell. Die Zinswende hat sie wieder attraktiver gemacht. Herr Goldmann, welche Chancen sehen Sie aktuell und für welche Zielgruppen ist Riester geeignet?
Goldmann: Die Riester-Rente der WWK war mit ihrem performancestarken Garantiemotor IntelliProtect® von Beginn an ein äußerst leistungsfähiges Instrument für die privaten Altersvorsorge. Nicht zuletzt die sogenannte Förderrendite – also die Einbeziehung der staatlichen Zulagen in die Gesamtrendite – macht sie für viele Zielgruppen attraktiv. Unsere Bestandsauswertungen zeigen sehr deutlich: Werden die Verträge für eine langfristige Altersvorsorge genutzt, lohnt sich Riester – gerade auch bei mittleren und niedrigen Einkommen. Klar ist aber auch: Vereinfachungen in der Administration und eine moderne, effiziente Förderstruktur würden die Attraktivität für Kunden und Anbieter gleichermaßen erhöhen. Es bleibt abzuwarten, was die nun anstehende Reform der geförderten Altersvorsorge mit sich bringt.
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