Der Wachstumstrend ist ungebrochen

02.03.2026

(v.l.n.r.) Christian Nuschele, Dr. Sebastian Grabmaier, Dr. Florian Sallmann, Günther Goldmann, Reimund Moses und Marc Wassum / Foto: © fw

finanzwelt: Herr Wassum, die Alte Leipziger hat gemeinsam mit Morgen & Morgen einen Altersvorsorge-Rechner entwickelt, der realistische Ablaufleistungen von Hybridrenten berechnet. Was steckt dahinter?

Wassum: In der Beratung, insbesondere in der betrieblichen Altersversorgung, wird häufig mit konstanten Renditeannahmen oder reinen Effektivkostenquoten gearbeitet. Das bildet die Realität von Hybridrenten nur unzureichend ab. Deswegen haben wir gemeinsam mit Morgen & Morgen ein Tool entwickelt, das auf realistischeren Kapitalmarktsimulationen basiert. Vermittler können damit Tarife unterschiedlicher Anbieter vergleichen und erhalten eine deutlich bessere Einschätzung der tatsächlichen Leistungsfähigkeit. Das Feedback aus dem Markt und die mediale Resonanz sind bislang sehr positiv.

finanzwelt: Herr Dr. Sallmann, wie entwickelt sich der Anteil von ETFs im Vergleich zu aktiven Fonds in Fondspolicen?

Dr. Sallmann: ETFs haben sich seit Jahren als Standard etabliert. Sie ermöglichen eine kostengünstige, breit diversifizierte Kapitalanlage und eignen sich hervorragend für die langfristige Altersvorsorge. In den Portfolios der InterRisk liegt der ETF-Anteil bei rund 65 %. Gerade in Kombination mit dem Versicherungsmantel entfalten ETFs ihre Stärken. Wichtig ist dabei eine regelmäßige Qualitätsprüfung der Portfolios. Langfristig profitieren Anleger von niedrigen Kosten, breiter Streuung und der Disziplin, Kapital wirklich für die Altersvorsorge investiert zu lassen.

finanzwelt: Herr Dr. Grabmaier, welche Entwicklungen sehen Sie bei ESG-Fonds und den Nachhaltigkeitspräferenzen der Kunden?

Dr. Grabmaier: Die ESG-Regulierung hat die Vermittler zunächst stark gefordert, teilweise sogar überfordert mit all den damit verbundenen Richtlinien und Regeln. Zudem lag die Regulierung schneller vor als das verfügbare Produktangebot. Umso bemerkenswerter ist es, dass die Nachfrage nach nachhaltigen Investments stabil geblieben ist. Für viele Kunden ist das Thema Nachhaltigkeit inzwischen eine echte Herzensangelegenheit. ESG bleibt daher ein fester Bestandteil der Beratung und wird weiterhin aktiv nachgefragt.

finanzwelt: Jetzt wurde der Referentenentwurf zur Reform der geförderten privaten Altersvorsorge vorgelegt. Wie beurteilen Sie diesen? Wo sehen Sie Verbesserungen, wo gibt es noch Änderungsbedarf?

Goldmann: Grundsätzlich ist der Gesetzentwurf ein Schritt in die richtige Richtung, insbesondere die geplante Vereinfachung der Fördersystematik.Kritisch sehen wir jedoch die Abkehr von der lebenslangen Rente zugunsten eines Auszahlplans bis mindestens zum 85. Lebensjahr. Dies birgt das Risiko, dass bei hoher Lebenserwartung die Mittel nicht ausreichen. Wir werden sehen, ob der Gesetzgeber hier noch nachjustiert, etwa durch eine höhere Altersgrenze. Abzuwarten bleibt zudem, ob der geplante Kostendeckel und die Verteilung der Abschlusskosten auf die gesamte Laufzeit zu einer relevanten Verbreitung der neuen Vorsorgeprodukte führen werden. Qualifizierte Beratung hat ihren Wert. Und sie muss sich lohnen, sonst findet sie nicht mehr statt.

Dr. Grabmaier: Für uns als Vertreter der Vermittler ist zentral, dass qualifizierte Beratung nicht ausschließlich als Kostenfaktor betrachtet wird. Erfahrungsgemäß treffen Kunden ohne professionelle Begleitung deutlich schlechtere Entscheidungen. Das sollte regulatorisch stärker berücksichtigt werden. Zudem halten wir es für sinnvoll, Risikoabsicherungen, wie etwa die Berufsunfähigkeit, weiterhin in Altersvorsorgelösungen integrieren zu können.

Dr. Sallmann: Wir bewerten es positiv, dass das Thema Reform endlich konkret angegangen wird. Jetzt kommt es darauf an, dass die angekündigten Maßnahmen auch umgesetzt werden. Als Branche werden wir unseren Beitrag dazu leisten.

finanzwelt: Wie ist Ihr Ausblick für 2026?

Moses: Ich bin sehr optimistisch, denn es wirken gerade zwei Faktoren zusammen: Zum einen ist bei den Kunden seit Jahren das Bewusstsein gewachsen, dass private Vorsorge unverzichtbar ist. Zum anderen sorgt die politische Rentendiskussion aktuell für enorme mediale Aufmerksamkeit. Das führt dazu, dass sich Endkunden intensiver mit ihrer Altersvorsorge befassen und verstärkt eine Beratung nachfragen. Ohne private Vorsorge wird es künftig nicht gehen, unabhängig von der finalen Ausgestaltung der Reform.

Dr. Sallmann: Auch ich bin positiv gestimmt. Der Trend zu ETF-basierten Lösungen in der privaten Altersvorsorge wird sich fortsetzen. Die politische Debatte sorgt für Aufmerksamkeit und öffnet Türen in der Beratung. Das sollten wir als Branche konsequent nutzen.

Nuschele: Die Nachfrage nach qualifizierter Beratung wird weiter steigen, insbesondere in der Ruhestandsplanung. Sowohl die Babyboomer als auch die Generation X haben einen erheblichen Beratungsbedarf. Themen wie Vermögensübertragung, Auszahlpläne, Erben und Schenken gewinnen zunehmend an Bedeutung. Für 2026 sehe ich hier sehr gute Perspektiven.

Wassum: Für 2026 erwarten wir ebenfalls weiteres Wachstum bei den fondsgebundenen Produkten. Der Beratungsbedarf bleibt hoch, und Beratung ist ein zentraler Bestandteil des Produkts, auch wenn häufig nur über die Kosten diskutiert wird. Der Markt ist groß, der Bedarf enorm und professionelle Begleitung ist entscheidend, um Fehlentscheidungen zu vermeiden.

Goldmann: Die aktuelle Diskussion um die Reform des gesamten Rentensystems wird unserer Branche zusätzlichen Rückenwind geben. Neben Riester wird insbesondere die betriebliche Altersversorgung (bAV) weiter an Bedeutung gewinnen. Für die WWK ist die bAV ein wichtiger Wachstumsbereich: Über ein Drittel unseres Lebensversicherungsgeschäfts entfällt bereits heute darauf, mit dem klaren Ziel, langfristig über 40 % zu erreichen. Besonders erfreulich: Wir konnten im vergangenen Jahr ein Wachstum von über 30 % erzielen, und das nach einem Rekordjahr 2024. Besonders erfolgreich sind wir dabei übrigens im Zusammenspiel auch mit unabhängigen Vermittlern, Maklerpools und überregionalen Finanzvertrieben.

Dr. Grabmaier: Die jüngste Rentendebatte hat vielen Kunden deutlich gemacht, dass sie zusätzlich zur gesetzlichen Rente vorsorgen müssen. Fondsgebundene Lebensversicherungen vereinen dabei zwei zentrale Bedürfnisse: die Absicherung des Langlebigkeitsrisikos und die Teilhabe an den Erträgen der Kapitalmärkte. Im Versicherungsmantel entsteht so aus unserer Sicht eine überzeugende Kombination aus Sicherheit und Renditechancen. (mho)