Die perfekte Mischung aus Jung und Erfahren

20.02.2026

Foto: © Atchariya63 - stock.adobe.com

Wir alle wissen um die Rolle von Daten, Zahlen und Dokumenten in der Versicherungsbranche. Man könnte sie sogar als Hauptrolle bezeichnen. Das macht viele Aufgaben der Branche zeit- und detailintensiv, und genau deshalb zählt Insurance zu den Bereichen, in denen KI schon heute gewaltiges Potenzial bietet. Viele Prozesse könnten damit deutlich schneller, transparenter und effizienter ablaufen, als sie es heute tun. Doch was ist dafür nötig? Bieten manche Bereiche mehr Chancen als andere? Und wie sieht es mit dem Thema Security aus?

Wenn wir über KI sprechen, müssen wir über Content Management sprechen, und zwar darüber, wie Daten gespeichert, aufbereitet und nutzbar gemacht werden. Die Versicherungsbranche sitzt dabei auf einer wahren Goldgrube, deren Wert bislang oft verborgen blieb: unstrukturierte Daten. Hier wird KI zum Gamechanger. Sie verwandelt unübersichtliche Datenberge in verwertbare Erkenntnisse. Die Zukunft liegt in der Kombination aus KI und menschlicher Expertise. So können Versicherer ihre Daten endlich nutzen, um schneller zu arbeiten, fundierter zu entscheiden und ein besseres Kundenerlebnis zu bieten.

Schöne neue Schadensregulierung?

Dass Automatisierung mittels KI an diversen Stellen im Betrieb Workflows erleichtert, beschleunigt und im besten Fall sogar übernehmen wird, ist bekannt. Deshalb bietet sich die Schadensregulierung als konkretes Beispiel an. Hier können KI-Agenten tatsächlich einen Großteil der Arbeit auf ein neues Level heben.

  • Sobald eine Schadensmeldung eingeht, können KI-Agenten im ersten Schritt anstatt eines Mitarbeiters prüfen, ob überhaupt alle notwendigen Dokumente, Fotos und Informationen vorliegen. Fehlt etwas, heben sie dies hervor.
  • Durch eine Kombination aus Bildanalyse und historischen Daten ähnlicher Fälle kann die KI eine erste Einschätzung zur Schadensbewertung geben. Als Richtwert erlaubt sie konstantere Entscheidungen bei vergleichbaren Fällen.
  • Auch potenziellen Betrug kann sie dabei erkennen und für die Sachbearbeiter markieren, welche dann entscheiden. Damit vermeiden Versicherungen finanzielle Schäden.
  • Nicht zuletzt kann die KI mit allen Informationen aus Fotos und Dokumenten einen ersten Entwurf für Berichte generieren, um Mitarbeitern einen konsolidierten Startpunkt zu geben. Relevante Standardformulare kann sie automatisch ausfüllen oder neue Formulare erstellen.

An all diesen Punkten nutzt die KI die gesammelten validierten, unstrukturierten Daten der Versicherung, um Workflows zu standardisieren. In einem etwas fortschrittlicheren Szenario ist es darüber hinaus auch möglich, dass Agenten von Versicherer und Dienstleister miteinander kommunizieren. So könnte zum Beispiel der „Versicherungs-Agent“ von einer Werkstatt Infos zu Reparaturkosten und -zeitplan einholen. KI-Agenten übernehmen nicht nur Routineaufgaben – sie verbessern sie. Durch eine einheitliche Datenbasis entstehen weniger Fehler und Korrekturen. Der Mensch bleibt als Partner für die finale Entscheidung und für komplexe Fälle, die Erfahrung erfordern. Gleichzeitig lernt die KI kontinuierlich dazu und macht Prozesse dadurch immer skalierbarer.

KI ist kein Compliance-Problem – ganz im Gegenteil

Dieser kurze Abriss klingt zunächst nach einer sorgenfreien Traumehe. Doch natürlich gibt es auch hier Baustellen, die Aufmerksamkeit brauchen. Die oben angesprochenen Themen Security und Compliance stechen dabei hervor. Wo Kunden- oder Nutzerdaten im Spiel sind, steht automatisch die DSGVO im Raum. Auch hier punktet KI: Sie verarbeitet Regulierungsdokumente automatisch, erhöht Transparenz und reduziert Fehler, die zu Verstößen führen könnten. Das gilt nicht nur für die DSGVO, sondern für alle vergleichbaren Vorgaben und stärkt so das Vertrauen der Kunden. Damit das aber wie gewünscht funktioniert, müssen Versicherer das Thema Cybersecurity ernst nehmen. Wo mit Daten gearbeitet wird, besteht die Gefahr von Datenlöchern und diese können nicht nur in Bezug auf Compliance zum Alptraum werden.

Beim Thema Security gelten zwei Faustregeln

Schon 2028 enthält voraussichtlich ein Drittel aller Unternehmensanwendungen agentische KI-Funktionen. Das Sicherheitsbedürfnis der unternehmenseigenen Daten steigt also enorm. Dies umfasst dabei nicht nur externe Angriffe, sondern auch interne Risiken wie fehlerhafte Aktionen von Agenten. Die wichtigste Grundlage sind deshalb Systeme mit sicherer Retrieval-Augmented-Generation (RAG). Das bedeutet vereinfacht gesagt, dass die KI beim Verarbeiten nur solche Daten heranziehen kann, für die sie klare Zugriffsberechtigungen hat. Sicheres RAG verhindert damit zum Beispiel, dass die Agenten plötzlich vertrauliche interne Unterlagen in ihre Prozesse einbeziehen und dass darüber versehentlich Informationen nach außen dringen. Beim Schutz von Inhalten und gilt: So viele Berechtigungen wie nötig, aber so wenige wie möglich. Ein zweiter Grundsatz für den sicheren Einsatz von KI-Agenten ist der Human-in-the-Loop-Ansatz. Vor allem kritische Aufgaben sollten unbedingt immer eine Ebene menschlicher Kontrolle enthalten, am besten die der finalen Entscheidung. Agenten sollten empfehlen, aber nur in sicheren Fällen komplett übernehmen und autonom ausführen. Schon diese beiden Grundlagen sichern ein solides Datenschutzniveau im KI-Zeitalter. Darüber hinaus helfen Tools mit integrierten Sicherheitsfunktionen, wie etwa die Lösungen von Box sowie ein kontinuierliches Monitoring durch die IT-Teams, neue Bedrohungen früh zu erkennen und abzuwehren.

Das Ende von „Die brauchen immer ewig“?

Betrachtet man alle angesprochenen Aspekte, gibt es einen roten Faden, der sich durch den Einsatz von KI in der Versicherungsbranche hindurchzieht: Es bleibt ein Miteinander von Menschen und Agent. KI ist nicht da, um Angestellte zu ersetzen, sie ist dazu da, ihnen das Leben zu erleichtern. Als proaktive Helfer liegt ihr Potenzial vor allem in Automatisierung lästiger Aufgaben und dem sekundenschnellen Bereitstellen gewaltiger Datenmengen. Die Mensch-KI-Partnerschaft kann Versicherer dynamischer und kundenfreundlicher denn je machen. Wichtig ist aber, dass intelligente Technologie auch ebenso intelligent eingesetzt wird.

Ein Beitrag von Michael Pietsch, Vice President DACH & Eastern Europe, Box.com