Erfolgreich auf der Suche nach der Zukunft

01.09.2013

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Rentensteigerungen unterhalb der Inflationsrate, Heraufsetzung der Regelarbeitszeit auf das Alter 67 und düstere Aussichten für das Rentenniveau. Die Bundesbürger mussten in diesem noch jungen Jahrtausend so manche bittere Pille schlucken.

**Wissenschaftler wie Bernd Raffelhüschen gehen davon aus, dass die Menschen schon auf Sicht nur noch rund 40 % ihres letzten Bruttoeinkommens als Rente vom Staat erhalten werden.

Um gegenzusteuern, keimt bereits eine Diskussion um die weitere Verlängerung der Regelarbeitszeit bis hin zum 70. Lebensjahr auf.** Dass SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ganz aktuell unter bestimmten Bedingungen die ungekürzte Altersrente wieder ab 63 Jahren erlauben will, ist eher dem Wahlkampf zuzuschreiben.

Opportunismus soll Prozente bringen. Denn allen Umfragen zufolge wollen die Bundesbürger lieber schon mit 60 als mit 67 Jahren in den Ruhestand gehen. Dafür allerdings müssten sie kräftig in die private Altersvorsorge investieren. Tun sie aber nicht. Nur 37 % sind nach dem letzten Deutschlandtrend des DIA vom 4. Quartal 2012 der Meinung, ausreichend privat fürs Alter vorgesorgt zu haben. Im Januar 2006 waren es noch 57 %.

Dabei bieten die Lebensversicherer mit ihren privaten Rentenpolicen das nach wie vor – auf Datenbasis – unbestreitbar beste Produkt an. Die private Rentenversicherung, die sich im Bestand der Unternehmen immer stärker in Szene setzt, sichert nicht nur noch immer stattliche Renditen. Unwidersprochen ist vielmehr ihr biometrischer Vorteil: lebenslang und fest kalkulierbare Rentenzahlungen, bei denen der spätere Rentenfaktor meistens bereits beim Vertragsabschluss verbrieft wird. Hinzu kommt der steuerliche Vorteil beim Rentenbezug. Und die Möglichkeit, statt der Rente auch eine einmalige Kapitalzahlung zu wählen. Staatlich subventioniert werden zudem die Basis- und die Riester- Rente, beide mit Fokus auf eine lebenslange Leistung konzipiert. Vanessa Wagner, Abteilungsleiterin Geschäftssteuerung Leben und Kapitalanlagen bei den Generali Versicherungen, erkennt aus all dem einen Trend: „Die Nachfrage hat sich, auch bedingt durch das Angebot der staatlich geförderten Produkte, zu Rentenversicherungen verschoben. "Wegen der steigenden Kundennachfrage nach Invaliditätsschutz erweitere der Versicherer sein Angebot im Bereich der Rentenversicherungs- und Biometrieprodukte stetig. Wagner: „Mit unserer Rente ‚Chance Plus' und ‚Rente Flex' haben wir zukunftsweisende Rentenversicherungsprodukte im Angebot, die ein Höchstmaß an Flexibilität und Anpassungsmöglichkeiten für die eigene Lebensplanung ermöglichen."

Die Tendenz weist eindeutig hin zu fondsgebundenen Lösungen. Denn wie die Kapitallebens- steht auch die konventionelle private Rentenversicherung unter Druck. Niedrige Marktzinsen bei gleichzeitig hohen Garantiezinsen von 3,5 oder sogar 4 % in Altverträgen haben die Versicherer in eine schwierige Lage gebracht. Auch im Hinblick auf Solvency II meiden sie volatile Aktienmärkte. Stattdessen gilt ihr Blick verstärkt nach lukrativen Unternehmensanleihen und Immobilieninvestitionen. Und notgedrungen der eigenen Garantieverzinsung. Sie steht derzeit in den Vorstandsetagen vieler Unternehmen zur Diskussion. Erste Anbieter haben bereits neue Modelle vorgelegt. Vorreiter war im Frühjahr die ERGO in Düsseldorf. Tatjana Höchstödter, Leiterin Produktmanagement private Altersvorsorge beim Düsseldorfer Lebensversicherer ERGO, begründet dies: „Die Zeit der klassischen Altersvorsorgeprodukte neigt sich dem Ende zu. Wir haben das früh erkannt und die letzten zwei Jahre genutzt, um eine ganz neue Form der privaten Rentenversicherung zu entwickeln." Zwei neue Produkte sollen aus der Garantie-Bredouille helfen und schon in wenigen Jahren 70 bis 80 % des Neugeschäfts ausmachen. Und beide sind fondsgebunden – allerdings mit unterschiedlichem Ansatz. Die Beiträge fließen in eine Sicherungskomponente zur Finanzierung der garantierten Ablaufleistung. Der Zeitwert dieser Absicherung verringert Wertschwankungen. Zum vertraglich fixierten Termin gibt es eine Beitragsgarantie, zudem wird eine bestimmte lebenslange Rente zugesichert. Ein weiterer Anteil an den Beiträgen wird wachstumsorientiert investiert. Die Garantie kommt – anders als bei vielen Fondsangeboten der Konkurrenz – direkt von der ERGO. Deren neue Rente „Chance" ist eine reine Fondspolice, die allerdings, wenn dem Kunden Sicherheitsbedenken kommen, in die Rente „Garantie" umgetauscht werden kann.

Weiter im konventionellen Umhang kommt hingegen die Allianz mit ihrem neuen Garantiemodell daher, dem Vorsorgekonzept „Perspektive". Zum Beginn der Auszahlungsphase werden die eingezahlten Beiträge garantiert. Und auch erst dann. Auf diesem Weg will das Unternehmen die Überschüsse auf die im Sicherungsvermögen angelegten Gelder steigern können. Unter dem Strich soll dieses Konzept eine um 0,3 % höhere Rendite erwirtschaften können. Es kann auf alle drei Schichten der Altersvorsorge angewendet werden, genauer: auf Privat-, Basis- und Riester-Renten sowie auf den SchatzBrief und die KinderPolice des Unternehmens. Ob sich diese neue Garantieform, neben der die bekannten Produkte allerdings weiter verkauft werden, durchsetzen kann, wird die Zeit zeigen. Allianz-Chef Michael Diekmann sieht es gelassen. Notfalls könne sein Unternehmen sich auch ganz von konventionellen Produkten trennen, wenn es keine wirklich spürbare Nachfrage mehr gebe.

Ein Schritt, den die Zurich längst vollzogen hat. Sie hat schon beizeiten ihren Ausstieg aus dem Geschäft mit konventionellen Kapital- und privaten Rentenversicherungen bekannt gegeben. Andernorts ist man mit derartigen Entscheidungen nicht so schnell bei der Hand. Anlässlich der Vorstellung der Bilanz für 2012 gab ARAG-Vorstandschef Paul-Otto Faßbender zu verstehen, dass man durchaus die bisherige Abstinenz auf diesem Gebiet beenden könne. Sollten sich neue Garantiemodelle bei klassischen Rentenpolicen bewähren, sei es vorstellbar, dass auch sein Unternehmen mit entsprechenden Produkten an den Markt gehe.

Vor dem schwierigen Zinsumfeld und einer zuletzt äußerst erfreulichen Börsenentwicklung rücken ohnehin fondsgebundene Rentenpolicen wieder stärker in den Vordergrund. Makler registrierten hier zuletzt eine deutlich steigende Nachfrage. Die auch hinsichtlich der von den meisten Kunden gewünschten Kombination aus Sicherheit und Rendite von intelligenten Konzepten bedient wird. So etwa von Standard Life. Bei deren „Maxxellence Invest" wird die Anlage je nach Marktsituation zwischen rendite- und sicherheitsorientierten Fonds hin- und her geschoben. Es gibt zudem einen schon zu Vertragsbeginn in Euro ausgewiesenen Treuebonus, wenn der Kunde bis zum Schluss bei der Stange bleibt. Hinzu kommt ein zum Rentenbeginn festgelegter performanceabhängiger Bonus. SwissLife wirbt sogar mit sechs Garantien in ihrem Produkt „Swiss Life Champion". So gibt es von Anfang an eine Garantierente, eine Höchststandsicherung des Anlageergebnisses, auf Wunsch eine garantierte Rentensteigerung ab Leistungsbeginn, einen festen Todesfallschutz in der Anspar- und der Rentenphase, einen garantierten Rentenfaktor und eine flexible Rentengarantiezeit. Außer bei der bAV können sich die Hinterbliebenen eine Abfindung sogar bar auszahlen lassen. Ein volles Paket also für Menschen, die auch in Fondsprodukten nach Sicherheit suchen.

(Dr. Hermann Schmidt-Dieburg)

Private Rentenversicherung - Online-Ausgabe 03/2013