Wir arbeiten aktuell mit Hochdruck an der Umsetzung der Reform

02.11.2026

Jutta Holzmann / Foto: © uniVersa

Zum 01. Februar hat Jutta Holzmann als Vorstandsmitglied die Vertriebsbereiche Stamm- und Partnerorganisation sowie die Ressorts Vertrieb-Service-Marketing und Zentrale Services der Universa Versicherungsunternehmen übernommen. Im Interview erklärt sie, welche Schwerpunkte sie setzen möchte und spricht über die Bedeutung der Makler, die Reform der geförderten privaten Altersvorsorge und die größten Herausforderungen und Chancen in diesem Jahr.

finanzwelt: Frau Holzmann, was reizt Sie an Ihrer Aufgabe und welche Schwerpunkte wollen Sie setzen?

Jutta Holzmann: Mich beeindrucken vor allem die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten, die ein mittelständisches Unternehmen in der Rechtsform eines Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit bietet. Wir sind einzig und allein unseren versicherten Mitgliedern gegenüber verpflichtet. Diese klare Fokussierung ermöglicht es uns, unabhängig von Aktionärsinteressen zu agieren und langfristig nachhaltige Lösungen für unsere Kunden zu entwickeln. Besonders schätze ich kurze Entscheidungswege, die es uns erlauben, flexibel und schnell auf Marktveränderungen zu reagieren. Mein Ziel ist es, unseren Vertrieb sowohl persönlich als auch digital kontinuierlich weiterzuentwickeln und die Transformation aktiv zu begleiten.

finanzwelt: Welche Vertriebsstrategie verfolgt die Universa und welche Rolle spielt dabei der Maklervertrieb?

Holzmann: Rund 75 % unseres Geschäfts werden über den Maklermarkt generiert, etwa 25 % entfallen auf unsere Ausschließlichkeitsorganisation. Mehrere Studien und Umfragen bestätigen, dass wir im Maklermarkt als zuverlässiger und qualitätsorientierter Partner wahrgenommen werden. Ein oft genannter Mehrwert ist die persönliche Betreuung, die wir noch zielgerichteter auf die Anforderungen unserer Makler und Finanzvertriebe ausrichten wollen. Gleichzeitig arbeiten wir am Ausbau digitaler Schnittstellen, insbesondere über BiPRO. Schwerpunkte sind die Gesundheits- und Altersvorsorge, die wir mit passgenauen Produkten und digitalen Lösungen angehen.

finanzwelt: Wo sehen Sie aktuell die größten Chancen, aber auch die größten Herausforderungen in diesem Jahr?

Holzmann: Die größten Chancen sehe ich in der persönlichen und lebensbegleitenden Beratung. Wir haben uns auf das Privatkundensegment spezialisiert, das vor tiefgreifenden Veränderungen durch Reformen in den Bereichen Gesundheit, Pflege und Rente steht. Viele Verbraucher verlieren in diesem komplexen Regelwerk den Überblick. Für Berater bietet sich hier die große Chance, Kunden aktiv aufzuklären, welche Änderungen sie betreffen und wie sie mögliche Versorgungslücken schließen können. Die private und betriebliche Vorsorge gewinnt insgesamt an Bedeutung.

finanzwelt: Wie hat sich das Neugeschäft im bisherigen Jahresverlauf entwickelt? In welchen Sparten sehen Sie derzeit das stärkste Wachstum und wo bleibt das Marktumfeld anspruchsvoll?

Holzmann: Wir konnten das Rekordergebnis vom Vorjahr in den ersten acht Monaten erneut um rund ein Viertel steigern. Besonders wachstumsstark bleibt die private Krankheitskostenvollversicherung, insbesondere unser Erfolgsprodukt uni-Top|Privat. Dieses kombiniert Hochleistungsmedizin mit einer attraktiven Beitragsrückerstattung und mit familienfreundlichen Extras. Auch unser neuer Zahnzusatztarif wird im Markt sehr gut angenommen. Er überzeugt durch qualitativ hochwertige Leistungen und ein vertriebsorientiertes Handling, etwa ohne Gesundheitsprüfung und ohne Wartezeiten mit sofortigem Versicherungsschutz. Auf Wunsch gibt es für Vertriebspartner eine digitale Onlineabschlussstrecke für deren Website. Im Bereich Altersvorsorge beobachten wir hingegen eine gewisse Kaufzurückhaltung. Dies hängt mit der geplanten neuen Fördersystematik zusammen, aber auch mit der geopolitischen und wirtschaftlichen Lage.

finanzwelt: Zum 01. Januar 2027 tritt die Reform der geförderten privaten Altersvorsorge in Kraft. Welche Rolle spielt diese für Sie und wie bereiten Sie sich auf das neue Altersvorsorgedepot vor?

Holzmann: Ich begrüße, dass das Thema Altersvorsorge wieder stärker in den Fokus rückt, denn das steigert die Aufmerksamkeit bei den Kunden deutlich. Gleichzeitig sehe ich kritisch, dass der Staat neben seiner Rolle als Regulierer auch als Anbieter auftreten könnte, da dies den Wettbewerb beeinflusst. Wir arbeiten aktuell mit Hochdruck an der Umsetzung der Reform und werden nächstes Jahr neben einem Standarddepot über einen Kooperationspartner auch ein eigenes Altersvorsorgedepot inklusive Auszahlplan als wählbare Bezugsform in der Auszahlungsphase haben. Berater können damit eine ganzheitliche Altersvorsorgeberatung anbieten, die auch die neuen staatlichen Zulagen und Steuervorteile beinhaltet.

finanzwelt: Die Reform dürfte bei Millionen Riester-Kunden erheblichen Beratungsbedarf auslösen. Welche Unterstützung bieten Sie Ihren Maklerpartnern, damit sie diese Chance erfolgreich nutzen können?

Holzmann: Wir haben eine neue Themenwebsite freigeschaltet, auf der ein Förderrechner integriert ist. Dieser wurde gemeinsam mit dem Institut für Vorsorge und Finanzplanung entwickelt und stellt in vereinfachter Form die bisherigen Fördermöglichkeiten mit der neuen Fördersystematik gegenüber. Darüber hinaus haben wir bereits unsere Bestandskunden angeschrieben und bieten Webinare und Schulungen an und werden am DKM-Stand weitere exklusive Informationen geben.

finanzwelt: Künstliche Intelligenz verändert derzeit nahezu alle Bereiche der Versicherungswirtschaft. Wo setzen Sie KI bereits heute erfolgreich ein? Welche Bereiche werden als nächstes folgen?

Holzmann: Wir setzen gezielt auf wirtschaftlich sinnvolle KIAnwendungsfälle, beispielsweise in der Leistungsabrechnung und im Antragsmanagement. Im Vertrieb befinden wir uns noch in der Testphase und entwickeln etwa einen KI-gestützten Chatbot, der Kunden und Vertriebspartnern schnellere Antworten ermöglichen soll. Ein besonders wichtiger Anwendungsfall ist die Risikovoranfrage in der privaten Krankenversicherung. Hier entscheidet die Geschwindigkeit oft über den Zuschlag. Die KI kann dabei helfen, Anfragen zu bündeln und aufzubereiten, so dass Risikoprüfer innerhalb weniger Minuten eine fundierte Einschätzung geben können.

finanzwelt: Wie ist Ihr Ausblick auf das kommende Jahr?

Holzmann: Im kommenden Jahr werden die ersten Reformgesetze greifen, und angesichts der demografischen Entwicklung werden weitere Reformeinschnitte in der umlagefinanzierten Sozialversicherung nicht ausbleiben. Auf den Berater kommt hier eine gesellschaftspolitisch wichtige Aufgabe zu, die viel Aufklärungsarbeit erfordert. Das ist aber auch eine große Chance, sich in den Themen fit zu machen und als Experte am Markt zu positionieren. (mho)