Je oller, desto doller das dicke Ende
06.01.2026

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Die Aussichten für die deutsche Sozialversicherung stehen auf Sturm im Orkanformat. Das Sozialsystem schwankt, denn die gesetzlichen Versicherer bluten aus. Die Beiträge decken bei weitem nicht die Ausgaben. Hochrechnungen zufolge bleibt die Finanzierung der gesetzlichen Alters-, Kranken- und Pflegeversicherung ungewiss. Handelssanktionen, Krisen und Zollstreitigkeiten lenken Unternehmen in die Pleite und die Belegschaften in die Arbeitslosigkeit. Dadurch verschärft sich die Finanzlage der Sozialversicherer. Bisherige Weichenstellungen in der Arbeits- und Rentenpolitik könnten einen Sozialsystemkollaps sogar beschleunigen.
Das deutsche Wirtschaftswachstum spiegelt sich nicht im Arbeitseinkommen wider. Nach der Wiedervereinigung wuchs das inflationsbereinigte reale Bruttoinlandsprodukt um 50 %. Zeitgleich erreichte das reale Durchschnittseinkommen ein Plus von 17 %. Der Reale Dax verzeichnete üppige 1.150 %. Auch Immobilieneigner stehen statistisch im Gewinnerlager. Zahlenquelle sind durch KI unterstützte Auswertungen. Etliche sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmereinkommen unterliegen höheren Steuersätzen als Kapitalerträge. So öffnete sich die Schere zwischen Arm und Reich kontinuierlich. Das rächt sich jetzt, denn für breite Bevölkerungsschichten ist eine ausreichende Privatvorsorge neben Lebenshaltung, Urlaubsreise und Wohnungsunterhalt kaum noch erschwinglich.
Gesetzliche Lochfraßkorrosion
Die niedrige Lohnentwicklung verstärkt die Defizite in den Sozialkassen, was verantwortliche Politiker im Diskurs selten offenbaren. Scheinbar nimmt es Vater Staat auch an anderer Stelle nicht ganz so genau. Kritiker mahnen die zu niedrigen Krankenversicherungsbeiträge für Grundsicherungs- und andere Unterstützungsempfänger an. Deren Beiträge liegen unter den Arbeitnehmer- und Arbeitgeberzahlungen zur gesetzlichen Krankenversicherung. Ähnlich verhält es sich mit der Grundrente, die aus Rentenversicherungsbeiträgen der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisse finanziert wird. Solche intransparenten Quersubventionen verzerren Kernprobleme und verhindern wirksame Problemlösungen.
Volksentscheid kontra Rentnerdomizil
Die aktuelle Klimapolitik setzt Ziele, welche zuvorderst Boomer und Generation X im Pensionsalter wirtschaftlich treffen. Der jüngste Volksentscheid für Hamburgs Klimaneutralität bis 2040 beinhaltet Maßnahmen wie beispielsweise die Umstellungen auf Wärmepumpen oder energetische Gebäudesanierungen, die einen dicken Strich durch den finanziell abgesicherten Altersruhestand ziehen. Zigtausende Euro sind für die eigengenutzten oder zur Rentenaufbesserung fremdvermieteten Räumlichkeiten vorzufinanzieren. Bei der Darlehens- und Hypothekenvergabe meiden die Banken und Sparkassen gerne die sonst beliebte Altkundschaft. Die Mieterseite sieht den klimaschonenden Umbaukosten per Mietumlage entgegen. Teile der Privatvermieter dürften vermietete Objekte mangels Masse abstoßen. Dann drohen Eigenbedarfskündigungen und höhere Mieten. Leidtragende sind wiederum die Rentner mit langjährig günstiger Miete, die sich nach teuren neuen Wohnungen umsehen müssen. Machen solche Volksentscheide bundesweit Schule, verschärft sich die Lage der Rentner besonders in den Ballungsgebieten. Einige Großstädte setzen mit und ohne Volksentscheid auf Umweltzonen. München verbannt z. B. die Führer alter und neuerer Dieselfahrzeuge an den Stadtrand. Die City ist dann gegen Mehrkosten für öffentliche Verkehrsmittel oder ein anderes Fahrzeug möglich. Die künftigen Mobilitätskosten dürften viele Pensionäre auf dem Land und in der Stadt überproportional belasten.
Systembedingte Wechselwirkungen
Die drängenden Veränderungen im Sozialversicherungssystem sind bei Politikern unbeliebt. Zu viele Wählerstimmen stehen bei Bund- und Landtagswahlen auf dem Spiel. 2035 überschreiten die Altersrentenempfänger voraussichtlich die 20-Millionen-Marke. Bis dahin wären weitere vier Millionen ab 67 in Altersrente. Für den gesetzlichen Arbeitslosen- und Unfallschutz versiegen Beitragsquellen. Die Einnahmen der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen sinken. Weniger Arbeitnehmer finanzieren die stetig ansteigenden Krankheits- und Pflegeleistungen. Der medizinische Fortschritt könnte unter Einfluss von Genforschung und Künstlicher Intelligenz die Lebenserwartung spürbar verlängern. Der Anteil der Hochaltrigen ab 80 verdoppelt sich in den kommenden Jahrzehnten. Tritt diese Annahme ein, kumulieren weit über zehn Millionen höhere Pflegerisiken zum existenziellen Großrisiko für gesetzliche und private Versicherer. Die Gründer des gesetzlichen Rentensystems kalkulierten das Rentenumlageverfahren auf statistischen Werten der 1950er und 1960er Jahre. Damals trugen ca. 3,5 Arbeitnehmer einen Rentner. Momentan sind es etwa zwei Beitragszahler und ab 2035 droht das Eins-zu-Eins-Verhältnis. Idealerweise errechnen sich die Werte unter der Annahme einer Vollbeschäftigung und nicht mit drei oder mehr Millionen an Unterstützungsempfängern.
Kleiner Silberstreifen am Horizont
Auf Versicherungsmakler kommen Mehrarbeiten und Mehrerlöse zu. Die neuen Lücken in der Altersversorgung treffen nicht nur Best Ager ab 50 sondern auf Sicht ebenfalls die Mid Ager, Young Ager und Youngster. Immobilieneigentümer und -mieter sollten sich finanziell gegen klimaschützende Umbauten wappnen. Sichere und geförderte Kapitalanlagen bei finanzstarken Anbietern finden sich. Die Herausforderung bleibt der Umfang der notwendigen Vorsorgen für das Rentenalter und für die Zeit bis dahin. (gg)

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