Reaktionen zum Midterm-Wahlausgang

04.11.2026

Foto: KI/fw

Geteilte Machtverhältnisse dürften für mehr politische Kontinuität sorgen und die Wahrscheinlichkeit umfassender Änderungen bei Steuern, Staatsausgaben oder Regulierung verringern. Da sich größere innenpolitische Gesetzesvorhaben nun schwieriger durchsetzen lassen, könnte Präsident Trump seinen Schwerpunkt stärker auf Handel, Zölle und Außenpolitik verlagern.

Einige Branchen könnten stärker in den Fokus rücken, darunter fossile Energieträger und künstliche Intelligenz. Eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Ausbau von Rechenzentren könnte die regulatorischen Bedenken rund um den KI-Investitionszyklus verstärken. Das Wahlergebnis ändert jedoch im Wesentlichen nichts an unserem Ausblick für die US-Wirtschaft bis 2028. Wir rechnen weiterhin mit einem soliden Wirtschafts- und Gewinnwachstum.

Kurzfristig bewerten wir das Ergebnis als leicht negativ für US-Aktien. Ausschlaggebend sind die geringeren Aussichten auf weitere fiskalische Impulse und mögliche regulatorische Belastungen für den KI-Sektor. Dennoch bleiben wir in Aktien leicht übergewichtet und bevorzugen Qualitätsunternehmen mit widerstandsfähiger Gewinnentwicklung.

Nimmt man die historische Entwicklung als Anhaltspunkt, könnte die Zeit nach den Zwischenwahlen für US-Aktien durchaus günstig ausfallen. Seit 1970 folgte in vier von sechs Fällen, in denen sich der Aktienmarkt in einem Midterm-Jahr stark entwickelte, ein weiteres positives Börsenjahr. Das dritte Jahr im Präsidentschaftszyklus – diesmal also 2027 – war für den S&P 500 historisch das stärkste. Auch längerfristige Daten zeigen jedoch für den Zeitraum zwischen den Zwischenwahlen und dem Jahresende im Durchschnitt positive Renditen.

Für US-Staatsanleihen erscheint das Ergebnis leicht positiv. Eine demokratische Mehrheit im Kongress dürfte die Wahrscheinlichkeit zusätzlicher fiskalischer Impulse verringern und damit den staatlichen Finanzierungsbedarf begrenzen. Inflation und Geldpolitik bleiben die wichtigsten Einflussfaktoren für die Anleiherenditen. Wir halten an unserer leichten Übergewichtung von US-Staatsanleihen fest, um laufende Erträge zu erzielen und die Portfolios zu diversifizieren.

Die unmittelbaren Auswirkungen auf den US-Dollar erscheinen leicht negativ. Der Greenback gibt heute gegenüber dem Euro etwas nach. Für die kommenden Monate erwarten wir allerdings unverändert einen weitgehenden Seitwärtstrend.

Potenzielle gerichtliche Auseinandersetzungen um umstrittene Wahlergebnisse, Haushaltsverhandlungen, ein möglicher Shutdown von Teilen der US-Bundesverwaltung und die Schuldenobergrenze für den Bundeshaushalt könnten immer wieder Schwankungen an den Märkten auslösen. Auch die Unsicherheit im Zusammenhang mit Iran, der Ukraine, der Handelspolitik und Zöllen könnte anhalten – insbesondere dort, wo der Präsident über größere eigene Handlungsspielräume verfügt.

Sobald die unmittelbare Unsicherheit rund um die Wahl nachlässt, dürften sich die Märkte jedoch wieder auf die längerfristig maßgeblichen Faktoren konzentrieren: Inflation, die Geldpolitik der US-Notenbank, Wirtschaftswachstum, Unternehmensgewinne und den KI-Investitionszyklus.

Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck


Anleger reagieren an den US-Börsen zunächst erleichtert. Die demokratische Mehrheit in beiden Kongresskammern schafft klare politische Verhältnisse und erschwert Trump weitere Steuersenkungen, Deregulierung und zusätzliche Staatsausgaben.

Das ist ein typisches Marktverhalten nach politischen Weichenstellungen. Die Unsicherheit nimmt ab, doch für eine vollständige Entwarnung ist es zu früh. Anleger richten ihre Aufmerksamkeit nun wieder auf die Wirtschaft.

Die Auswirkungen auf den Rechenzentrumsausbau, die KI-Investitionen und die US-Fiskalpolitik dürften sich erst nach und nach zeigen und in die Kurse einfließen. Besonders relevant ist der mögliche Einfluss auf den KI-Sektor. Texas und Georgia stehen für rund ein Drittel der KI-Rechenzentrumsausgaben und haben nun demokratische Gouverneure.

Die wichtigste mittelfristige Frage lautet, inwieweit die demokratische Kontrolle des Kongresses den Ausbau von Rechenzentren bremsen kann.

Am Freitag werden die US-Arbeitsmarktdaten veröffentlicht. Entscheidend sind dabei nicht nur die Beschäftigungszahlen, sondern auch die Lohnentwicklung als möglicher Inflationstreiber sowie die Auswirkungen auf Anleiherenditen und Zinserwartungen.

Die demokratische Kontrolle des Kongresses sorgt kurzfristig für Erleichterung. Die protektionistische und stärker binnenorientierte US-Wirtschaftspolitik bleibt jedoch ein strukturelles Risiko für den DAX.

Maximilian Wienke, Marktanalyst bei etoro.