Zeiten ändern sich
01.09.2013

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Fondspolicen erfreuen sich (wieder) steigender Beliebtheit bei der Kundschaft. Die Nachfrage nach herkömmlichen Garantieprodukten geht dagegen zurück. Grund hierfür ist die (notwendige) Suche nach Rendite. Ohne Fonds scheint wenig zu gehen.
Es ist noch nicht allzu lange her, dass Fondspolicen auf dem Abstellgleis standen und kaum nachgefragt wurden. 2011 war das Neugeschäft hierzulande mit fondsgebundenen Lebens- und Rentenversicherungen im vierten Jahr in Folge rückläufig. Das Volumen lag bei knapp einer Milliarde Euro und der Anteil fondsgebundener Produkte am Gesamtmarkt Lebensversicherungen verringerte sich laut einer Studie der Unternehmensberatung Towers Watson auf 16 %. Der Markt war seit Jahren im Abwärtstrend.
In der jüngeren Vergangenheit sind Fondspolicen wieder aus dem Nischendasein hervorgekommen und erleben quasi eine Renaissance. Somit sind sie neben der klassischen Lebensversicherung ein Vehikel in der Altersvorsorge, das man berücksichtigen sollte. Von den regelmäßigen Beiträgen wird bei fondsgebundenen Versicherungen ein Teil in die Risikolebensversicherung gesteckt, der andere Teil fließt in einen Investmentfonds ein, beispielsweise in einen Aktien- oder einen Rentenfonds.
Dies bedingt, dass Fondspolicen über keine garantierte Mindestzahlung nach Ablauf der Laufzeit verfügen. Das Risiko entspricht dem Risiko der Fondsanlage, ist also von der Entwicklung des Aktien- und Rentenmarktes letztlich abhängig. Verluste sind durchaus denkbar, allerdings sind dafür auch die Renditemöglichkeiten viel höher als bei einer traditionellen Lebensversicherung.
In diesem Jahr setzen Berater und Makler verstärkt auf Fondspolicen, wie verschiedene Studien zeigen. Die aktuelle Maklertrendstudie 2013/2014 liefert den Beweis. Jeder zweite deutsche Makler verzeichnet demnach aktuell eine steigende Nachfrage nach Fondspolicen (51 % gegenüber 41 % in 2012). Parallel dazu bemerken drei Viertel der befragten Makler, dass der Absatz traditioneller Lebensversicherungen in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen ist. Ergebnisse und Trends, die sich auch schon in der jüngeren Vergangenheit abzeichneten. Die positiven Aussagen zu Fondspolicen ließen sich bereits im vergangenen Jahr aus einer Erhebung der Marktforschungsgesellschaft YouGov ableiten. Fondspolicen werden von Vermittlern verstärkt eine höhere Attraktivität und ein höheres künftiges Absatzpotenzial zugeschrieben als den klassischen Lebensversicherungen.
Das Geschäft mit klassischen Policen steht unter Druck, was auch der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bekräftigte. Im vergangenen Jahr wuchs das Neugeschäft nur zaghaft – fondsbasierte Lösungen bieten sich konsequenterweise als chancenreiche Alternative an. Aus den Zahlen des GDV für 2012 geht hervor, dass fondsgebundene Rentenversicherungen im Neugeschäft mit laufender Beitragszahlung mittlerweile einen Anteil von 18,7 % haben und damit auf dem zweiten Platz hinter traditionellen Rentenpolicen (32,9 %) liegen. Die Gründe liegen auf der Hand. Ein Argument ist sicherlich das niedrige Zinsniveau, das es den Versicherungen zunehmend schwermacht, attraktive Renditen zu generieren. Gleichzeitig sind diese nach Einschätzung der Makler der wesentliche Treiber bei der Nachfrage nach Fondspolicen. Auch gegenüber Produkten, bei denen Kunden das Garantieniveau individuell und flexibel gestalten können, sind die Makler verhalten bis skeptisch eingestellt. Nur noch 69 % gehen von einer steigenden Bedeutung dieser Produktangebote aus (2012: 81 %), so die aktuelle Maklertrendstudie.
Auf der anderen Seite befürworten Besitzer von Fondspolicen eine reine Beitragsgarantie, wenn hierdurch potenzielle Performancechancen genutzt werden können. Knapp die Hälfte der befragten Makler kann sich aber vorstellen, dass ihre Kunden zugunsten von Performancechancen auf die vielsagenden Garantien verzichten würden. Die Anzahl der Makler, die davon überzeugt sind, dass Garantien im Rahmen fondsgebundener Produkte sinnvoll sind, ist ebenfalls im Vergleich zum Vorjahr um über 10 % auf 53 % zurückgegangen. Kurzum werden in der Versicherungswirtschaft kapitalmarktnahe Produkte und gemanagte Portfoliolösungen in Fondspolicen wieder an Gewicht gewinnen. Denn kaum jemand rechnet damit, dass das Zinsniveau der Staatsanleihen kurz- bis mittelfristig über der Inflationsrate liegt. Ein Ende der anhaltenden Zinsflaute ist gegenwärtig nicht absehbar.
Versicherungen kommen mit neuen Produkten. Auch die Inhaltsmischung in der Fondspolice kann variieren und sich neuen Trends anpassen. Höhere Chancen auf Gewinne bieten dynamische Anlagekonzepte: Hier schichten die Anbieter das Geld zwischen Aktienfonds und vermeintlich sicher geglaubten Anlagen beliebig hin und her – je nach Situation auf den Finanzmärkten. Spekulieren Versicherer am Aktienmarkt besonders aggressiv, um höhere Renditen zu generieren, kann im schlimmsten Fall nur die Riester-Garantie übrig bleiben, also eingezahlte Beiträge plus staatliche Zulagen.
Neben Einzelfonds werden verstärkt komplette, gemanagte Portfoliolösungen nachgefragt, sagen Spezialisten von Fidelity. Die angezogene Nachfrage nach Komplettlösungen heißt aber nicht, dass Einzelfonds an Bedeutung völlig einbüßen. Die Bandbreite, aus der Versicherer wählen können, ist aber größer. Die Qualität der Fonds wird in regelmäßigen Abständen überprüft und Produkte ausgewechselt, wenn sie den hausinternen Anforderungen und Kriterien nicht mehr genügen.
Die Versicherungsgesellschaften überbieten sich derweil mit neuen Produkten und wollen auf der Welle mitreiten. Hier einige Beispiele: CARDEA.life, eine Marke des Liechtensteiner Lebensversicherers PrismaLife, erweiterte erst kürzlich das Fondsangebot bei ihrer Rentenversicherung, während Konkurrent mylife nach wie vor auf Einmalbeträge setzt. Bei Letzterem können Kunden aus über 4.000 Fonds und kostengünstigen Exchange Traded Funds (ETF) auswählen. Auch die Zurich Lebensversicherung ist seit einigen Monaten mit einer veränderten Fondspolice am Start. In den fondsgebundenen „I-CPPI"- Rentenversicherungsproduktenwurde eine neue sicherheitsorientierte Fondsanlage integriert, die den Zweck erfüllen soll, Risiken in der Wertsteigerungskomponente zu reduzieren. Marcus Nagel, Vorstandsvorsitzender der Zurich, sagte: „Wir konzentrieren uns konsequent auf fondsbasierte Lebensversicherungen. Die klassische Lebensversicherung rückt am Markt klar in den Hintergrund." Seit über sechs Jahren bietet der Versicherer Rentenversicherungsprodukte an, die mit dem so genannten I-CPPI-Modell der DWS betrieben werden. Die Grundlage ist ein mathematisches Modell, das zwischen einem konservativen Anlageportfolio und einemriskanteren Portfolio jederzeit umgeschichtet werden kann.
Fazit
Die Altersvorsorge ist von den Auswirkungen anhaltend niedriger Zinsen und einer vergleichsweise hohen Volatilität auf den internationalen Kapitalmärkten geprägt. Vorsorgelösungen, mit denen stabile Erträge erwirtschaftet werden können ohne hohe Risiken zu schultern, sind gefragt. Während die klassische Lebensversicherung zu kämpfen hat, sind Fondspolicen mit Sicherungskonzepten auf dem Vormarsch.
(Alexander Heftrich)
Fondspolicen - Online-Ausgabe 03/2013

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