Deutschem Luftverkehr droht stressiger Sommer
29.04.2026

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Der Konflikt im Nahen Osten droht, den europäischen Luftverkehr in der Hauptreisezeit erheblich zu belasten. Engpässe bei Kerosin führen bereits zu deutlich höheren Treibstoffkosten, steigenden Flugpreisen und ersten Kapazitätskürzungen auf Kurzstrecken. Obwohl die Reiselust angesichts der schwachen Konsumneigung in ganz Europa aktuell insgesamt eher gedämpft ist, könnten einige südwesteuropäische Urlaubsregionen zu den Gewinnern geänderter Fernreisepläne zählen. Insbesondere in Portugal, Spanien, Italien und Griechenland sind Buchungen zuletzt gestiegen. Zu diesem Schluss kommt die aktuelle Analyse des weltweit führenden Kreditversicherers Allianz Trade.
„Deutschland zählt zu den Ländern, die stark von importiertem Kerosin abhängig sind,“ sagt Maria Latorre, Branchenexpertin bei Allianz Trade. Im vergangenen Jahr verzeichnete Deutschland einen Versorgungsengpass von rund 100.000 Barrel Kerosin pro Tag, was bedeutet, dass der Verbrauch in Deutschland die heimischen Raffineriekapazitäten übersteigt, sodass das Land auf Lieferungen aus dem Ausland angewiesen ist – nur Großbritannien ist noch stärker abhängig für Lieferkettenstörungen.
„Europa produziert nur etwa 50-60 % des Kerosinbedarfs selbst. Diese sind durch den Nahostkonflikt drastisch eingebrochen und können auch durch rasant steigende Importe aus den USA (+782 % im März im Vergleich zum Vormonat) nicht annähernd kompensiert werden. Die kombinierten Lieferungen von Flugzeugtreibstoff aus den USA und dem Nahen Osten im April lagen bisher über 80 % unter dem Vormonat. Die Folge: Die Vorräte bauen sich schnell ab und das Risiko physischer Knappheit im Frühsommer steigt.“
Seit Beginn der Krise haben sich die Kerosinpreise etwa verdoppelt, während Raffineriemargen (Crack-Spread: Preisdifferenz zwischen dem Rohöl und den Endprodukten) zeitweise auf über 100 US Dollar (USD) pro Barrel gestiegen sind. „Treibstoff macht etwa ein Drittel der Betriebskosten von Airlines aus“, sagt Latorre. „In der Folge kürzen sie ihr Angebot selektiv und geben Preiserhöhungen an die Passagiere weiter. In der Folge steigen Flugpreise direkt vor der Hauptreisezeit deutlich. Für Kurzentschlossene dürften es teure Sommerferien werden.“
Internationale Flugpreise wurden bereits um 5-15 % erhöht. Zusätzlich führen viele Gesellschaften wieder separate Kerosinzuschläge ein – zwischen 20 und 60 USD auf Kurz- und Mittelstrecken sowie 80 bis 150 USD auf Langstrecken. Auch Nebenkosten steigen: Gepäckgebühren und Preise für Sitzplatzreservierungen wurden zuletzt ebenfalls erhöht.
Angekündigte Kapazitätskürzungen bleiben in Europa – auch mit Blick auf den deutschen Markt – bislang moderat bei 2-5 %. Bisher findet eher eine Optimierung des Streckennetzes als eine systematische Kürzung statt. Die Streichungen konzentrieren sich insbesondere auf Randzeiten, kurze Strecken und kleinere Flughäfen. Besonders betroffen sind Billigfluggesellschaften, die mit niedrigen Margen arbeiten und in Ländern wie Deutschland auf Kurzstrecken zunehmend mit der Bahn konkurrieren.

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