Zwischen Preiskampf und Qualitätsversprechen

27.10.2026

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Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) bleibt eine der wichtigsten Absicherungen für Erwerbstätige und zugleich ein hart umkämpfter Markt. Während der Preiswettbewerb anhält, rücken Qualität, Beitragsstabilität und Services stärker in den Fokus.

Die Wahrscheinlichkeit, berufsunfähig zu werden, ist sehr hoch. Statistisch gesehen wird jeder Vierte im Laufe des Arbeitslebens mindestens einmal berufsunfähig, wie der GDV mitteilt. Wer seinem Beruf nicht mehr nachgehen kann, kann schnell in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Deswegen ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung unverzichtbar, um im Fall des Falles seinen Lebensstandard aufrecht erhalten zu können.

Wettbewerb, Qualität und Stabilität

Welche Trends kennzeichnen den BU-Markt in Deutschland? Für Jens Martin, Leiter des Produktmanagements bei der Alte Leipziger, stehen aktuell zwei Entwicklungen im Vordergrund. „Einerseits gibt es weiterhin einen ausgeprägten Preis- und Ratingwettbewerb. Viele Tarife bewegen sich heute auf einem sehr hohen Bedingungsniveau, so dass in der Beratung häufig Vergleichsprogramme, Bedingungsratings und insbesondere der Zahlbeitrag stark im Vordergrund stehen“, betont Martin. Gleichzeitig sieht er ein steigendes Bewusstsein dafür, dass eine Berufsunfähigkeitsversicherung ein langfristiges Leistungsversprechen ist, bei dem weitere Faktoren zu beachten sind. Entscheidend sei, ob der Anbieter dauerhaft solide kalkuliert, eine faire Risikoprüfung bietet, im Leistungsfall verlässlich reguliert und den Kunden über den reinen Versicherungsschutz hinaus unterstützt. „Deshalb sehen wir neben dem Preiswettbewerb einen zweiten Trend: Qualität, Beitragsstabilität, faire Prozesse und Zusatzservices gewinnen wieder stärker an Bedeutung“, ergänzt der Experte der Alte Leipziger Lebensversicherung.

Veränderungen in der Preislandschaft beobachtet auch Dr. Matthias Hofer, Vorstand Leben bei der Continentale, bei der BU-Vorsorge. Bei bestimmten Zielgruppen habe sich die Risikosituation spürbar verändert, was sich zunehmend auch in der Beitragsgestaltung widerspiegelt. „Der günstigste Tarif ist nicht automatisch der beste Tarif. Gerade bei der BU lohnt sich der Blick hinter den Preis: Wie stabil ist die Kalkulation, wie entwickeln sich die Überschüsse und wie gut ist der Versicherer für die nächsten 10, 20 oder 30 Jahre aufgestellt?“, unterstreicht Dr. Hofer. Gleichzeitig weist er auf die Veränderungen unserer Arbeitswelt und die Belastungen im Berufsleben hin. Stichworte sind etwa Digitalisierung, permanente Erreichbarkeit und zunehmende psychische Belastungen. „Diese Entwicklungen müssen in die Kalkulation einfließen“, hebt der Continentale-Vorstand hervor.

Auch für Laura Sinner, Biometrie-Expertin der LV 1871, ist eine zentrale Entwicklung gerade im Maklermarkt die passgenaue Fokussierung auf unterschiedliche Zielgruppen, von jungen Menschen über Handwerker bis hin zu Kammerberufen. „Der Markt wird hier zunehmend differenzierter und individueller“, erklärt Laura Sinner.

Dass die Berufsunfähigkeitsversicherung aufgrund ihrer Komplexität weiterhin ein stark beratungsorientiertes Produkt ist, betont Fabian von Löbbecke, Vorstand der HDI Lebensversicherung, und hier verantwortlich für den Bereich Produkte/Neugeschäft Leben. Daraus ergibt sich ein wesentlicher Fokus der Branche, der auf dem Abbau von Komplexität und der Verbesserung der Verständlichkeit liegt. „Wir haben hierzu bereits einen wichtigen Beitrag geleistet, indem wir vollständig auf die abstrakte und konkrete Verweisung verzichten, sowohl in der Erst- als auch in der Nachprüfung“, sagt von Löbbecke. Gleichzeitig gewinnen für ihn kundenorientierte und flexible Lösungen weiter an Bedeutung. Dazu zählen moderne Regelungen zur Umorganisation, zielgruppenspezifische Produktkonzepte sowie mehr Flexibilität über die häufig langen Vertragslaufzeiten hinweg. Beispiele sind Nachversicherungsgarantien, Optionen bei Berufswechseln und spezielle Regelungen für Teilzeitbeschäftigte, so der HDI-Vorstand.

BU-Ursache Nummer eins bleiben psychische Erkrankungen

Wenn es um die Ursachen für eine Berufsunfähigkeit geht, dann spielen psychische Erkrankungen eine immer größere Rolle. Nach Angaben des GDV entfielen 2024 bereits 38 % der Leistungsfälle auf psychische Leiden und Erkrankungen des Nervensystems, gefolgt von Krebserkrankungen (19 %), Erkrankungen des Bewegungsapparates (16 %) und schweren Unfällen (8 %). Um den psychischen Erkrankungen als häufigster Ursache für Berufsunfähigkeit entgegenzuwirken, setzt die Branche auch zunehmend auf vorbeugende Maßnahmen. So hat die Alte Leipziger bereits Anfang 2024 für die Kunden kostenfreie Gesundheitsservices mit einem besonderen Fokus auf die mentale Gesundheit eingeführt. Dazu gehören unter anderem Informations- und Unterstützungsangebote, Risikoselbsttests, digitale Programme bei Stress, Depressionen, Angst- oder Schlafstörungen sowie ein Terminservice. „Die Angebote stehen unseren Kunden bereits während der Vertragslaufzeit zur Verfügung – also auch dann, wenn noch gar kein BU-Leistungsfall vorliegt. Die positive Resonanz und die zunehmende Bedeutung vergleichbarer Angebote im Markt bestätigen unseren Ansatz“, erklärt Jens Martin von der Alte Leipziger.

Aktuelle Entwicklung des BU-Geschäfts

Was die aktuelle Entwicklung des BU-Geschäfts im Jahr 2026 betrifft, so zeigen sich die Anbieter bei konkreten Zahlen eher zurückhaltend, berichten aber unisono über positive Tendenzen. Fabian von Löbbecke zählt die HDI mit rund einer halben Million Verträgen zu den größten Anbietern von Berufsunfähigkeitsversicherungen in Deutschland. „Unser Geschäft wächst kontinuierlich und nachhaltig. Das Beitragsvolumen im Neugeschäft liegt inzwischen deutlich über einer halben Milliarde Euro. Vor diesem Hintergrund sind wir mit dem bisherigen Geschäftsverlauf im laufenden Jahr sehr zufrieden“, sagt der Vorstand der HDI Lebensversicherung.

Zufrieden mit der aktuellen Entwicklung zeigt sich auch Laura Sinner von der LV 1871. Gleichzeitig bleibe jedoch viel zu tun: „Die eigene Arbeitskraft ist für die meisten Menschen die Grundlage ihrer finanziellen Existenz, dennoch sind längst nicht alle ausreichend abgesichert. Mit zwei BUUpdates haben wir in diesem Jahr bereits wichtige Impulse gesetzt“, ergänzt die Biometrie-Expertin.

Dagegen räumt Jens Martin ein, dass der intensive Wettbewerb im Markt selbstverständlich auch für die Alte Leipziger spürbar sei. Gleichzeitig stellt er fest, dass ein großer Teil der Kunden sowie der Vertriebspartner sehr bewusst entscheidet und nicht ausschließlich auf den günstigsten Beitrag achtet. „In den Vertriebswegen und Zielgruppen, in denen das Gesamtpaket aus Produktqualität, professioneller Risiko- und Leistungsprüfung, Finanzstärke und Service im Mittelpunkt steht, generieren wir daher weiterhin ein gutes BU-Neugeschäft“, so der Leiter des Produktmanagements.

Auch Dr. Matthias Hofer will sich mit konkreten Zahlen zum laufenden Jahr noch bis zur Vorlage des Jahresabschlusses zurückhalten. „Die Tendenz ist aber eindeutig: Die Nachfrage nach BU-Schutz ist weiterhin hoch, und das zeigt sich auch in unserem Neugeschäft“, unterstreicht der Vorstand der Continentale Versicherung.

Ausblick bis Jahresende

Für die HDI Lebensversicherung AG blickt Fabian von Löbbecke zuversichtlich auf die weitere Geschäftsentwicklung im Jahr 2026: „Die Berufsunfähigkeitsversicherung zählt zu unseren strategisch wichtigsten Geschäftsfeldern. Dank eines leistungsfähigen Angebots, unserer starken Marktposition sowie der engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit unseren Vertriebspartnern sehen wir uns hervorragend aufgestellt, unseren nachhaltigen Wachstumskurs auch künftig fortzusetzen.“

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